Von Susi-Lili Duchow
Die Handlung des 1774 in der Epoche des Sturm und Drang erschienenen Briefromans „Die Leiden des jungen Werther“ von Johann Wolfgang von Goethe ist ihrer Komplexität bezüglich eher simpel: Durch einen Briefwechsel mit seinem alten Freund wird das Leben des jungen Werther, der seine Heimat verlassen hat um nach Wahlheim zu gehen, im Zeitraum von 4. Mai 1771 bis 24. Dezember 1772 geschildert. Beeindruckt schwärmt der freimütige Werther von seiner Überwältigung durch die Wirkung der lokalen Natur, die seinen Sinn für Romantik und Poesie anregt. So verliebt er sich in Lotten, die ihrerseits zwar von Werther angetan, jedoch bereits verlobt ist. Es entwickelt sich eine platonische Dreiecksbeziehung zwischen Lotten, ihrem Mann Albert und Werther, der sich jedoch nach der alleinigen romantischen Liebe Lottens zehrt. Werther frönt seinem lustvollen Leiden der unerfüllten Liebe, das jedoch mit der Zeit zur Ermattung seines Gemüts und schließlich zu seinem Freitod führt.
Die Inszenierung von Stephan Rottkamp am Düsseldorfer Schauspielhaus ist teilweise modernisiert worden: zwar sprechen die Schauspieler den originalen Text, jedoch wird Werthers Briefwechsel mit dem Freund durch Kameraaufzeichnungen ersetzt. Außerordentlich bewundernswert war die Textleistung Ilja Niederkirchners, der gleich zu Beginn der Darbietung die ersten Briefe Werthers allein vortrug, und durch dessen feinfühliges Schauspiel das Schicksal Werthers für den Zuschauer fassbar wird. Zur Betonung des Gefühls, derer es in der Epoche des Sturm und Drang bedarf, sorgte neben musikalischer Untermalung (unter anderem Nouvelle Vagues „Dance with me“) auch das Spiel mit Licht/Dunkelheit. So fanden Stellungswechsel der drei Protagonisten im dunklen Raum statt, die die Entwicklung ihrer Dreiecksbeziehung im hellen Raum offen legen. Der Tod Werthers wurde allein durch das Erlöschen des Lichts inszeniert und beschreibt wesentlich die Gesamtwirkung des Schauspiels: nicht überladen dramatisch, sondern leise und ergreifend.




