Von Clara Wrede
In der Kleehalle des K20 läuft noch bis zum 15.01.2012 eine Ausstellung über die Künstlerinnen der Avantgarde des frühen 20ten Jahrhunderts. Acht verschiedene Künstlerinnen sind ausgestellt, die Ende 19tes und Anfang des 20ten Jahrhunderts geboren wurden und deren Höhepunkte des Schaffens etwa Ende der 1920er lag. Diese sind Sonia Delaunay, Sophie Taeubner-Arp, Claude Cahun, Forence Henry, Hannah Höch, Dora Maar, Katarzyna Korbro und Germaine Dulac. Die Künstlerinnen, wenn sie auch nicht ganz so bekannt sind wie ihre männlichen Kollegen, waren angesehen und beeinflussten besonders die dadaistische und die surrealistische Bewegung nachhaltig. Sie selbst wurden von den Bewegungen des frühen 20ten Jahrhunderts geprägt, wie z.B. Bauhaus, Kubismus und Futurismus. Viele der ausgestellten Künstlerinnen waren in engem Kontakt zu den populärsten Künstlern der Zeit, wie z.B. Sophie Taeubner-Arp, die mit Hans Arp verheiratet war oder Dora Maar, die eine Geliebte von Picasso war. Das Faszinierende an den Künstlerinnen der Avantgarde ist, dass alle besonders starke und intellektuelle Frauen waren, denn schließlich war es damals als Frau viel schwieriger, sich unter bekannten männlichen Künstlern, aber auch den Käufern, zu etablieren.
Die Ausstellung fällt zuerst einmal sehr positiv durch die Themenwahl auf, denn diesen wichtigen Frauen, die leicht übersehen werden, wird ein Forum gewidmet. Außerdem liegt ein Schwerpunkt des K20 genau in dieser Zeit und die Sammlung zeigt viele Künstler, aber wenige Frauen. Es ist interessant, hier unten zu sehen, wie z.B. eine Frau wie Hannah Höch surrealistische Themen behandelt und umsetzt im Vergleich etwa zu Max Ernst, der oben in Sammlung gezeigt wird.
Das Publikum war eine gute Mischung ohne bestimmten Altersdurchschnitt, besonders stark waren weibliche Besucher vertreten.
Leider fielen auch ein paar Schwachpunkte der Ausstellung auf, besonders die geringe Menge an Werken war erstaunlich und dazu eine gewisse Wahllosigkeit der Präsentation. Die Werke der Künstlerinnen waren einfach in verschiedenen räumlichen Bereichen untergebracht. Dies ist vielleicht die konventionellste Form der Anordnung einer Ausstellung. Das passt nicht zum Thema und Titel der Ausstellung, schließlich geht es um ‚Künstlerinnen der Avantgarde’ und sehr starke Frauen. So konnten weder individuelle Entwicklungsprozesse verdeutlicht werden, noch Parallelen zwischen den Positionen der Frauen. Biographien zu den jeweiligen Künstlerinnen sind an den Wände angebracht und geben auch eine gewisse Orientierung, aber doch zu wenig um ein fundiertes Fazit über die jeweilige Person, ihre Arbeit und ihren Einfluss ziehen zu können.
Die Werkauswahl ist bei einigen Künstlerinnen wenig repräsentativ, so scheint zum Beispiel die Bandbreite von Claude Cahun erschreckend klein und beliebig, obwohl sie als eine der ‚radikalsten Vertreterinnen des frühen Surrealismus’ im Prospekt des K20 angepriesen wird. Die ausgestellten Werke wirken schwach und nicht kontrovers wie andere Fotographien von Cahun, in denen sie besonders wagemutig mit Geschlechterrollen spielt. Dies ist ein hauptsächlicher Schwachpunkt: viele Werke wirken nicht typisch für die jeweilige Künstlerin, das gilt aber nicht für Taeuber-Arp, Delaunay und Höch. Die Ausstellung wird, je weiter der Besucher geht, immer schwächer, nachdem sie sehr stark und facettenreich mit Sophie Taeuber-Arp beginnt.
Mein Fazit ist, dass die Idee. eine Ausstellung über die Frauen der Avantgarde zu machen eine sehr gute Idee war und die gezeigten Künstlerinnen auch sicher interessant sind. Allerdings ist die Kuration nicht ganz überzeugend – die Auswahl der Werke ist zu begrenzt und man merkt, dass sie nicht individuell zusammengestellt sondern von einem anderen Museum, dem Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk Dänemark, übernommen worden sind. Das ist schade, denn das K20 ist eines der führenden Museen für die Kunst des frühen 20ten Jahrhunderts in Deutschland. Es wäre einfach schöner gewesen eine sorgfältiger ausgesuchte Auswahl an Bildern zu sehen.
Dazu hätte ich mir gewünscht, dass die Ausstellung auch gezeigt hätte, wie wichtig die soziale Funktion dieser Frauen für die Avantgarde war. Im Prospekt des K20 werden sie als ‚Networkerinnen’ bezeichnet, daher wären Zeitungsausschnitte, Privatfotos oder Plakate eine ergänzende Dokumentation gewesen und hätten dies deutlicher machen können. Von dieser Ausstellung hätte ich mir gewünscht, dass das K20 seinen gewohnten hohen Standard gezeigt hätte und das Potential dieses interessanten Themas besser ausgeschöpft hätte.




