Rezensionen

Dendemann

Matthias Conrads

Rund dreieinhalb Jahre nachdem nur eine Pfütze vom Eisberg übrig blieb, gibt sich Dendemann auf seiner neuen Scheibe vom Vintage verweht und tourt unter diesem Motto momentan durch deutsche Gefilde. Am 09.05. hat die Unschuld vom Lande in Düsseldorf Halt gemacht und zusammen mit ihrer fünfköpfigen Liveband die Besucher des ZAKK bespaßt. In der nahezu ausverkauften Halle durften sich die Fans des Garagen-Rappers aus Hamburg zunächst an einem etwa halbstündigen Set von DJ-Maxi erfreuen, bevor der Rest der Band inklusive Frontmann das Bühnenbild komplettierte. Ein blaues, von unten nach oben strahlendes Spotlight warf fortan einen gewaltig großen Dendemannschatten an die Wand des zakk – ein sehr schönes Bild! Dende und seine Kollegen präsentierten sich natürlich, ganz wie es ihr aktuelles Motto verlangt, im Vintage-Outfit: Sportjacken, schlechte Frisuren und Schnurrbärte. Die 80er lebten wieder auf. Am schönsten in Person des Bassisten, der wie aus einem Police Academy Film entsprungen schien.

Wie die neue Scheibe begann auch die gut anderthalb stündige Show mit einer Vorstellungsrunde in Form von Nesthocker und <i>Freie Radikale_gbrdh</i>. Mit <i>V.n.d, Robota</i> und <i>Inhalation</i> wurde der erste Fünferblock gebildet, bevor der große Mittelteil des Konzerts begann, in dem Dendemann zahlreiche altbewährte Tracks von seinem Vorgängeralbum spielte. <i>Gut und Gerne</i> kam im Outcast- und It ain’t all good-Remix daher, <i>Das erste Mal </i> wurde sehr gelungen auf den Beat des Grandmaster Flash Klassikers „The Message“ gerappt. <i>Endlich Nichtschwimmer</i> blieb in der Originalversion, genau wie <i>Lieblingsmensch</i> von der Schweigen Dilemma EP. Der geneigte Dendemann-Fan war an diesem Punkt der Glückseligkeit nah. Ein weiterer Block aus aktuellen Tracks leitete dann langsam aber sicher das Ende des Abends ein. Passend dazu begann dieser mit <i>Es geht bergab</i>. <i>I’m a Record Junkie und zurück, Und wenn ja warum, Petze</i> und <i>Stumpf ist Trumpf</i> folgten. Spätestens bei <i>Tierisch</i> sollte dem sehr gut gelaunten Publikum dann klar geworden sein, dass dank der Band die neuen Stücke – selbst die schwächeren – auf der Bühne einfach hervorragend funktionieren und eine ganze Menge Spaß bereiten. Schlechte Stimmung kam trotzdem nicht auf, als die Band nach <i>Stumpf ist Trumpf</i> die Bühne verließ und Platz machte für zwei Einszwo-Klassiker. Weshalb auch?! <i>Danke, gut</i> und <i>Hand auf’s Herz</i> zauberten den Anwesenden noch einmal ein dickes Grinsen auf die Gesichter, bevor dann lautstark die erste Zugabe gefordert werden musste. Für Applaus und Zugabe-Rufe wurden die Fans mit <i>Hörtnichtauf</i> im Love don’t come easy-Mix und <i>So sieht’s aus</i> – wiederum von der Schweigen Dilemma EP – belohnt. Wer jetzt so verzückt war, dass er/sie am liebsten zu Dende in den Bus steigen wollte, um das nächste Konzert ja nicht zu verpassen, wurde jedoch schwer entäuscht: <i>Kein Platz im Tourbus</i>. Zugabe Nummer zwei startete mit <i>Keine Zeit</i>, bevor Tocotronic – gesamplet in <i>Papierkrieg</i> – zum guten Schluss das i-Tüpfelchen auf ein sehr gutes Konzert setzen durfte: <i>Alles explodiert, kein Wille triumphiert</i>.
Zweiflern, die noch immer an den alten Einszwo-Scheiben hängen und sich nicht wirklich mit dem neuen Stil Dendemanns anfreunden können, sei ein Konzertbesuch wärmstens empfohlen. Live ist Dendemann wie eh und je ein Erlebnis und man bekommt für sein Geld in jedem Fall Lotta Songs and Bad … ich meine natürlich <i>Good</i > Rhymes.

Playlist*:

Nesthocker
Freie Radikale_gbrdh
V.n.d.
Robota
Inhalation
Gut und gerne
Das erste mal
Tierisch
Endlich Nichtschwimmer
Metapher Than Leather
Hörma
Lieblingsmensch
Sachmagehtsnoch
Es geht bergab
I’m a Record Junkie und zurück
Und wenn ja warum
Petze
Stumpf ist Trumpf
Danke gut
Hand aufs Herz
ZUGABE:
Hört nicht auf
So sieht’s aus
Kein Platz im Tourbus
ZUGABE2:
Keine Zeit
Papierkrieg

*Die Playlist mag an ein oder zwei Stellen Fehler aufweisen bzw. unvollständig sein.

Veranstaltung: Dendemann