Von Andreas Kleindopf
Fundgrube Ruhrgebiet
Ob Kohlerevier, Pott, Metropole Ruhr; die Region muss mit vielen Vorurteilen kämpfen. Dabei können sie sich bestätigen oder wollen widerlegt werden. Fakt ist aber: mit fünf Millionen Einwohnern ist das Ruhrgebiet Deutschlands größter Ballungsraum. Hier ist bis heute viel passiert, Geschichte und Gegenwart sind besonders dramatisch anzuschauen. Das neue Ruhr Museum, welches sich genau damit auseinandersetzt, ist in den geräumigen Hallen der ehemaligen Kohlenwäsche der Zeche Zollverein untergebracht. Auf 5.000 Quadratmetern lässt es sich gut und viel erzählen.
Die Sammlung an geologischen und geschichtlichen Exponaten ist beeindruckend, sie für sich selber zu erfassen kann mehrere Stunden dauern. Das Ruhr Museum dient hierbei nicht als Aufklärer, sondern Langzeitgedächtnis. Einen Überblick zu behalten ist deshalb nicht immer leicht. Bitter nötig scheint da das leuchtende, orangefarbene Geländer des Treppenhauses, welches flüssigen Stahl andeutet und derweil auch als roter Pfaden verstanden werden könnte. Vier Ebenen, die allein schon von ihrer Architektur grimmig stimulieren, bieten eine geistreiche Zusammenstellung der zeitlichen Abschnitte und die Einordnung in den globalen Hintergrund. Mit der Gegenwart beginnend – etwa Revierderby und Neunutzung der Halden – steigt man in die Geschichte ab und »stolpert« über die Ursprünge von Traditionen und natürlich auch Industrialisierung bis hin zur Urzeit; das Skelett eines Mammuts sei dabei nur erwähnt.
Eine gekonnte Mischung aus Fotografien, Reliquien, Filmausschnitten und Alltagsgegenständen formt das Museum zu einem Heimatmuseum (lieber hört man hier »Regionalmuseum neuen Typs«) der besonders gewaltigen Art. Viele liebevolle Details verstecken sich im Ruß und Staub der Geschichte und erstrahlen im Glanz der heutigen Sicht – eigentlich wie das Ruhrgebiet selbst.




