Rezensionen

Dauerausstellung red dot design museum

Von Andreas Kleindopf

Baufreigabeschein oder zeitgenössisches Design

Es lässt sich nicht leugnen: in den Welterben der Vereinten Nationen haust eine gewisse Magie, welche die Kulturgüter und seine Besucher zugleich verzaubert. So versteht auch das Gelände der Zeche Zollverein in Essen-Katernberg mit Kokerei und Schachtanlagen die musische Ehe zwischen Funktionalität und Schönheitssinn offenzulegen. Umso besser, wenn sich in dieser Atmosphäre das red dot design museum befindet. Das ehemalige Kesselhaus wurde dafür von Norman Foster (Wembley-Stadion, Modernisierung Reichtagsgebäude) umgebaut und ist Kulisse und Kontrast zugleich. Anstatt Öfen und heißem Wasserdampf zieren nun Kühlschränke und Badezimmerarmaturen die Räumlichkeiten.

Alles dreht sich um den roten Punkt und zeitgenössisches Design. Der red dot design award hat sich dabei zu einem Qualitätssiegel höchster Klasse entwickelt. Autonome Designer aus der ganzen Welt entscheiden, welche der Millionen und Abermillionen Alltagsgegenstände diese begehrte Auszeichnung erhalten und somit einen Platz in der Ausstellung erhalten. Der Besucher selbst könnte sich in eine IKEA- oder Automobil-Verkaufsfläche versetzt fühlen. Alles ist anfassbar. Bricht der Außenspiegel des Ford Fiesta ab, kann man ihn theoretisch ersetzen. Hat Jemand speckige Finger, können Arbeitsplatten und Armlehnen abgewaschen werden. Am Stromnetz sind die Elektrogeräte nicht angeschlossen, Spülungen können nicht betätigt, die Heimsauna darf nicht betreten werden.

Ich habe dort eine gutbürgerliche Mutter zu ihrem Sohne sagen hören: »Genau das habe ich letztens bei TOYS”R”US entdeckt.« Die Sachlage sieht tatsächlich so aus: man denkt alles schon einmal »draußen« gesehen zu haben oder es gar selbst zu Hause anzuwenden. Die puristische Formensprache unserer Zeit verstehen wir alle, ob es uns nun gefallen mag oder nicht. Mitnichten nur ein Wallfahrtsort für Designer und Architekten! Das ein oder andere Individuum wird sich hier eine »Kaufempfehlung« für seine eigenen vier Wände eingeholt haben. Denn wie auch ein Zauber von den Weltkulturerben ausgeht, so entflammt auch der rote Punkt; sollte es sich auch bei den Produkten lediglich um kühlen Kunststoff handeln. Mehr ist manchmal eben mehr, wenn weniger schon mehr ist.