Rezensionen

Das Paradies und die Peri

Von Aline Urlichs

Am Sonntag, dem 30.5.2010 ließ ich mich um 16:30 Uhr in ein Märchen entführen, von dem ich vorher noch nie gehört hatte. In der Tonhalle Düsseldorf spielten das Collegium Cartusianum in Zusammenarbeit mit dem Kölner Kammerchor und sechs Solisten im Rahmen des Schumannfestes 2010, welches in diesem Jahr zu Ehren des 200. Geburtstags Robert Schumanns in Düsseldorf gefeiert wird. Die Leitung über die Musiker übernimmt an diesem Nachmittag der Dirigent Peter Neumann, der sich besonders zum Ende hin sehr in die Musik einfühlt und erzählend dirigiert.

„Das Paradies und die Peri“ ist eine Sage, die von kleinen, anmutigen Wesen, den Peris, handelt. Eine einzelne Peri wurde verbannt und kann die Gunst des Himmels nur mit einem dem Himmel würdigen Geschenk wiedererlangen. Auf der Suche nach diesem trifft sie auf Jünglinge, die den Heldentod sterben, Liebende, die auch nach dem Tode vereint sind und schließlich auf einen Mann, der aus tiefster Reue heraus bitterlich weint. Diese Tränen der Reue sind es, die der Peri das Tor zum Himmel öffnen, denn nichts freut den Himmel mehr als die Bekehrung der Sünder.

Ein paar einleitende Worte des Intendanten der Tonhalle, Michael Becker, der eine 20-jährige Solosopranistin mit der Siegerin des Grand Prix‘ vergleicht, sorgen für einzelne Lacher aus dem Publikum. Dann beginnt die Aufführung. Ein Text, frei nach dem Vers-Epos „Lalla Rookh“ von Thomas Moore, der von der Sage der Peri handelt, wird in einzelnen Abschnitten von Wolfgang Knauer vorgetragen und im Anschluss an diese jeweils musikalisch aufgeführt.

Die Darsteller der Peri und des Erzählers (Johanna Winkel, Sopran / Werner Güra, Tenor) befanden sich die ganze Zeit über vorne auf der Bühne, während die anderen, unwichtigeren Charaktere sich im hinteren Teil aufhielten. Trotz sehr deutlicher und klarer Aussprache und sehr angenehmer Stimmen war es schwierig, den Text immer vollständig nachzuvollziehen, ich hatte mir vorher kein Programmbuch gekauft, da ich es vorzog mich voll und ganz auf das musikalische zu konzentrieren, die Handlung wurde ja vorher erzählt. Beide Solisten sangen sehr sauber, besonders hervorzuheben ist allerdings meiner Meinung nach die Altistin (Elvira Bill), die den Engel und eine weitere Erzählerin verkörperte. Sie konnte man immer verstehen, ihr Gesang war einfach tadellos und sehr schön anzuhören. Die so hoch gelobte, jüngste Sopranistin (Anna Lucia Richter) hatte, entgegen meiner hochgesteckten Erwartungen nach der Aussage des Intendanten recht wenig zu tun, sang oft nur die Chorpartien der Solisten mit, lieferte aber bei ihrem einzigen Solo eine solide Leistung ab, auch wenn sie etwas unsicher wirkte. Der Bariton (Wolf Matthias Friedrich), der ebenfalls nur selten alleine singen durfte, überzeugte durch Gestik und Mimik, die zum Verständnis des Textes und zur Verdeutlichung seiner Rolle beitrugen. Der letzte im Bunde der Solisten war Virgil Hartinger, ein junger Tenor, bei dem es nichts zu beanstanden gibt, der allerdings auch keine herausragende Leistung vollbracht hat.

Ich muss sagen, dass ich überrascht von der Geschlossenheit des Kammerchores war, denn eigentlich hätte ich mit einer weniger guten Leistung gerechnet. Die Einsätze des Chores jedoch waren durchgehend sauber gesungen, immer voller Elan und übertrugen die Stimmung der Sage auf den Zuschauer. Die Kooperation von Solisten und Chor lief wunderbar ab und sowohl die Solisten, als auch der Chor hatten sich gut auf den jeweils anderen abgestimmt. In einigen Parts, in denen nur die Männerstimmen sangen, konnten sich die Tenöre des Chores im Gegensatz zu den Bässen etwas abheben aber alles in Allem könnte man den Chor als eine „homogene Gesangsmasse“ bezeichnen.

Das Orchester, welches sich dadurch auszeichnet, dass es auf Originalinstrumenten spielt, lieferte ebenfalls überwiegend gute Arbeit ab, allerdings (ich unterstelle jetzt einmal, dass es aufgrund der alten Instrumente war) waren einige Akkorde doch relativ schief und klangen ein wenig unpassend im sonst so wohlklingenden Spektrum Schumanns Komposition.

Alles in Allem war dies ein sehr gelungener Konzertnachmittag; meine anfänglichen Zweifel im Hinblick auf den Titel, unter dem ich mir erst mal nichts vorstellen konnte, zerliefen sich in Wohlgefallen über schöne, beschwingte, aber auch manchmal traurige und verzweifelte Musik, die für Schumann so typisch ist und die ihren ganz eigenen Charme hatte. Außerdem wurde das Konzert durch die erzählenden Einschübe zu einer kleinen, nachmittäglichen Märchenstunde, aus der man glücklich und zufrieden die Bahn nach Hause nehmen konnte.