Rezensionen

Chicks on Speed present: Girl Monster – Redefining the Now!

Von Susanna Ott

Girl Monster ist eine Reihe und „Redefining the Now!“ ist das Thema des zwölften Teils, den die Chicks on Speed als Gastgeberinnen und Kuratorinnen im Düsseldorfer FFT präsentieren. Melissa Logan, ein Teil des Künstlerinnenkollektivs, rund um die Chicks on Speed, führt uns durch den Abend, während Anat Ben-Davis und Alex Murray-Leslie eine intensive und farbgeladene Performance ablegen.

„Girl Monster“ ist ein „Happening Spektakel“, eine chaotische Mischung aus Kunst, Mode, Musik, Video und Performance. Dabei liegt der Schwerpunkt dieses Abends auf dem Hier und Jetzt und wie wir uns und die Gegenwart definieren. Aber wer sich für Voodoo, Chanel und Luxus interessiert darf sich auch zurücklehnen und die abstrakten Performances bewundern.

Last but not least soll noch gesagt sein, dass „Girl Monster“ auch ein ständiges Hin- und Herpendeln zwischen Englisch und Deutsch ist; eine Lesung und verschiedene Abschnitte des Abends setzen weiterführende Sprachkenntnisse voraus. Dennoch lautet die erste Ansage: „Es wird sehr inspirierend für Ihre Sinne werden.“  Was jedoch folgt ist eine Sinnesüberreizung.

Das erste Video wird gezeigt, indem Karl Marx Werk „Das Kapital“ als Ausgansmaterial benutzt wird, um die Zukunft zweier Pragerinnen vorherzusagen. Die beiden Frauen stellen abwechselnd Ihre Fragen und die schrullige Wahrsagerin öffnet die Analyse unserer kapitalistischen Gesellschaft, um eine beliebige Stelle vorlesen zu lassen, die sie wild interpretiert.

An dieser Stelle lacht das FFT noch herzhaft, aber schon beim zweiten Video verebbt das Lachen. Stahl, Beton. Eine Brücke und Frauen in weißen Stiefeln und roten Jäckchen und Röckchen tapsen dem Zuschauer langsam entgegen. Wäre die Erklärung nicht im Voraus geliefert worden, hätte man wohl nie erkannt, dass die Frauen eigentlich mit ihren Schritten eine Botschaft formen (in einer fast ausgestorbenen „tapsy“ Sprache für Notfälle). Tja und was trippeln die dann da? Die unschuldig gekleideten Damen übermitteln nichts anderes als die Botschaft aus dem „Manifesto of futurist woman“. Was ist das jetzt wieder? Ach, da spricht man sich für Gewalt aus und Krieg als reinigendes Mittel …

Überspringen wir diese unangenehme Botschaft des Abends und wenden uns einem anderen „Höhepunkt“ dieses Abends zu. Dem Londoner Pil and Galia Kollectiv, dass eine „Lecture“ hält über „new thoughts on the society of spectacle. “ Stellt sich schnell heraus, dass es über uns ist. Und auf Englisch. Trotz interessanter Thesen wie „All of life presents itself as an accumulation of spectacles” flohen große Teile des Publikums vor der Trockenheit des Vortrages.

Wer jedoch standhaft war und geblieben ist, dem gaben die zehn Performances zu „Prototypen“ von Anat Ben-Davis und Alex Murray-Leslie den Rest. Unter Prototypen verstand man am Abend Dinge wie Ecken, Kanten, Kurven, Tiere, Luxus, Chanel, Voodoo und den Einfluss, den Telefone auf menschliche Konversationen haben.

Wer nach den lauten, bildgewaltigen und vollkommen losgelösten Performances noch immer im FFT war, der wurde schließlich belohnt. Mit Live-Musik von Go Chic, einem Damen-Quartett, das den weiten Weg aus Taipeh gemacht hat und den Abend doch noch in ein Spektakel verwandelt hat.