Rezensionen

CAVEMAN – Die Wahrheit über Männer und Frauen

Von Andreas Kleindopf

„Schön, dass CAVEMAN auch nach Düsseldorf gekommen ist”, dachte ich mir und hielt mich für besonders oderschlau, als ich kurz vorher die Düssel als Wanderer durchaus zu studieren wusste, wo man den Neandertaler zwischen Wuppertal und Mettmann entdeckt hatte (beides liegt nicht weit östlich von Düsseldorf) und Johann Carl Fuhlrott ihn als fossilen Menschen erkannt hatte. Nachdem ich dann das Capitol Theater besuchte und den Broadway-Höhlenmenschen wahrhaftig zu Gesicht bekam, da fühlte ich mich leer und vielleicht noch dümmer (und gerade deswegen) als ich vor der Düssel-Wanderung gewesen bin und wollte einzig noch ein urig-echter Wildbeuter werden, um meinen Anstands-Applaus für die durchaus annehmbare Inszenierung in eine Wut gegen das Konzept umzuwandeln – ganz wie CAVEMAN es nämlich zu wissen scheint: natürlich und triebgesteuert.

Es wird oft von einem mystischen Spiegel gesprochen, der dem Betrachter des Stückes vorgehalten wird. Vielleicht hilft ja ein Besuch, diesen Spiegel für andere zu respektieren oder ihn selbst sogar für sich zu akzeptieren. Bevor man sich aber diesem Thema überhaupt für sich selber und andere nähern kann, ist eine Frage unerlässlich: Sollte Rob Beckers Solostück durchaus alleine angeschaut werden oder doch lieber mit dem eigenen Partner, wenn man ihn dann hat, haben kann oder haben will? Was der Einsame von der Semantik her vielleicht anders bestätigt oder an sich selber gut abzuwehren weiß, wird den anwesenden Liebespärchen (im Syntax durchaus auch als Zweck beschrieben) minderkomisch wiedergegeben. Jene Pärchen-Sitznachbarn haben sich den ein oder anderen Lacher erzwungen – und gerade dieses Gezwungene wurde dem Einsamen so schmerzhaft vorgeführt, ob schön, primitiv oder einfach als Abwehrmechanismus, wie eben auch das Lachen bei Angst durchaus dienen kann. Und Angst hatte ich vor dem Betrachten wegen des Betrachtens durchaus selber: Wird man sich hier neu entdecken oder gar das bequeme Denken über das Verhalten der Mitmenschen anders definieren müssen? Aber nein! Das was vorgeführt wird, ist nicht neu. Das weiß man schon, das kennt man schon, das will man nicht noch einmal hören, denn es tut manchmal auch sehr weh Mensch zu sein. Aber es ist schön, dies in CAVEMAN mal anders zu hören, zu spüren und das ist ehrlich und völlig übertrieben, da es doch so ist – oder nicht? Was ja das Stück den Jäger und Sammlern vorenthält (wir sind nicht sexistisch und um CAVEMAN nicht zu beleidigen, daher korrekterweise – ach ja, dieses pauschalisieren – Jäger und SammlerInnen), ist die Tatsache, dass der moderne und modernde Mensch aus der anthropologischen Entwicklung heraus durchaus nicht in Beziehung zum Gesellschaftsvertrag eines Rousseaus steht. Das aber tut CAVEMAN gut, denn das wäre für die leichte Kost, die schwer im Magen liegt, doch nichts gewesen.

Jedoch ist es vor allem unbeschreiblich, andere beim Vorgang des Betrachtens zu beobachten, wie sie über den vorgehaltenen Spiegel lachen – und somit über sich selbst. Sitzt man in CAVEMAN also ganz für sich alleine, kann man gut und sicher die Vorwürfe, die dem Menschen durchaus gegeben sind, an andere richten. Und das ist die wahre Freude, die hier geboten wird. Und so habe ich glücklich und zufrieden nach langer Zeit die Theater-Höhle verlassen können. Warum aber glücklich, wenn mich das Stück doch leer und dumm erschienen ließ? Nun, ich weiß jetzt aufs Neue, dass ich kein Jäger und auch keine Sammlerin bin. Und das schien mir hier jeder zu glauben, der sich mit mir alleine im Capitol Theater aufgehalten hat. Irrtum oder Wahrheit? – egal, ich geh dann mal weiter jagen und sammeln.