Von Katharina Mannel
Biutiful vs. Beautiful – Der neue Film von Iñárritu
Schönheit ist nicht gleich Schönheit, für jeden bedeutet Schönheit etwas anderes. Aber wenn Iñárritus Film eines nicht ist, dann schön im konventionellen Sinne. Auch wenn man von Iñárritu, nach Amores Perros, 21 Gramm und Babel, keine leichte Kost erwartet, wirkt sein Film doch etwas zu schwer und beladen.
Uxbal, gespielt von einem grandiosen Javier Bardem, erkrankt an Prostata-Krebs und der Arzt gibt ihm nur noch wenige Monate zu leben. In diesen Monaten versucht er alles ins Reine zu bringen, so dass er in Ruhe sterben kann. Leichter gesagt als getan, denn von seiner Frau lebt er getrennt, die Kinder wachsen in einer verdreckten Wohnung auf und er verdient sein Geld damit, dass er chinesische Schwarz-Arbeiter beschäftigt und Afro-Amerikaner beim Verkaufen gefälschter Waren unterstützt. Er schmiert die Polizei, damit die Schwarzen in den Straßen Barcelonas nicht festgenommen werden, denn der Großteil von ihnen ist auch illegal im Land. Nebenbei verdient sich Uxbal auch noch etwas Geld als Medium, weil er Tote, die ihren Weg ins Jenseits noch nicht gefunden haben, sehen und mit ihnen reden kann, so dass diese ihren Weg gehen können.
Also sehen wir uns als Zuschauer vor einer Mischung aus Sozialdrama, Kriminalität, Ausbeutung und Religion gestellt, keine leichte Kost und in keinem Sinne schön. Aber Kunst muss ja nicht immer schön sein, aber ästhetisch sollte sie schon sein. Dieser Film ist aber leider zu viel, zu voll und entbehrt jeglicher Aussage. Einzig und allein die schauspielerische Leitung Javier Bardems lässt uns dem Film etwas Schönes abgewinnen, er trägt den ganzen Film über 130 Minuten und zeigt ein so vielschichtiges Bild Uxbals, dass uns die Höhe und Tiefen einer endenden Existenz spürbar werden lässt. Ein verzweifelter Familienvater, der den letzten Moment seines Lebens alleine mit seiner Tochter verbringt, er liegt vom Krebs völlig zerfressen und erschöpft im Bett und schenkt ihr den Ring, den er einst seiner Ehefrau schenkte, ein echter Diamant. Ein letztes Geschenk, etwas Wertvolles, Schönes und Glänzendes, dass nicht in diese raue Welt passt, aber wahrscheinlich dafür sorgt, dass er sie nicht vergessen wird, zumindest nicht von ihr.
Und nach dem Tod? Am Ende im verschneiten Wald seinem verstorbenen Vater gegenüber stehend, stellt sich dann doch noch ein Moment der Schönheit ein, im Leben Uxbals und in der Landschaft selbst, vielleicht ist im Paradies Biutiful doch gleich Beautiful, wenn wir losgelassen haben und gehen können. Doch wirkt gerade in dieser Schlussszene der Film pathetisch und zu theatralisch und bleibt ohne wirkliche Aussage zurück – niemand weiß, was hinter dem Wald ist und niemand weiß, was mit seinen Kindern geschehen wird. Wie konnte er dann gehen, wenn nicht alles geklärt ist? Oder hat er sich nur eingeredet, dass alles biutiful ist?




