Rezensionen

„Bislang l(i)ebte ich tatsächlich ziellos“ // 04.12.11

Von Hannah Bartels

Zwei Ritter, eine Brücke.

Ein roter Ritter will auf die eine, ein blauer Ritter auf die andere Seite des mittlerweile ausgetrockneten Flusses. Doch keiner will den anderen als Ersten über die Brücke lassen. Im Laufe ihres Konfliktes hat sich, von ihnen ausgehend, die Seuche „Konkurrenzitis“ über die gesamte Gesellschaft verbreitet. Die Schlichtungsversuche eines Mädchens, als Vertreterin der Moral ganz in Gelb, scheitern und so tritt eine grüne Geschäftsfrau auf den Plan (bzw. auf die Bühne). Sie verkauft Konkurrenz als „Coaching-Konzept“ und verspricht den Wert der Ritter zu ermitteln, um festzustellen, wer zuerst die Brücke überqueren darf.

Dennis Palmen hat dem Looters-Ensemble erneut ein unterhaltsames Stück auf den Leib geschrieben. Gesellschaftskritik, kurzweilig und bunt verpackt, mit eher stereotypen Charakteren und vielen Tiermotiven. In kleinen Szenen zeigen die Vier, welche Effekte Konkurrenz in Liebe, Freundschaft, Arbeit, Spiel und Freizeit haben kann. So hält sich eine Prinzessin mehrere Prinzen warm und P- und R-Hörnchen zerstreiten sich.

Besonders die eingespielten Texte, Videoprojektionen und Lieder sind spaßig (Ich habe immer noch einen Ohrwurm von „Dein Kind ist pummelig …“). Die Monologe zum Ende hin driften etwas ab; in sich sind sie klug, aber hier einfach ein bisschen zu viel. Die Figuren sind etwas flach geraten, so ist Grün immer böse, Gelb immer positiv (bis auf ihre Mordattacke, zugegeben) und Blau und Rot piesacken sich. Dadurch ist die Handlung allerdings leicht verständlich und klar strukturiert. Schauspielerisch sind die Rollen ausgefüllt, aber scheinen wenig entwickelt, bleiben oft zweidimensional. Jedoch wieder einmal schaffen es die jungen Looteraner, die Zuschauer zum Lachen zu bringen und für die Geschichte zu begeistern.

Die Farben sind in extrem fantasiereichen Kostümen umgesetzt, wer hätte gedacht, dass Hundefutterverpackung, Plastiklöffel und Eisstiele eine Ritterrüstung ergeben?

Aber Vorsicht! Diese ganze Farbmetaphorik ist leicht überzuinterpretieren. Ich hatte eine schlaflose Nacht, in der ich mir über komplementäre Farben und darüber, dass Blau und Gelb ja grün ergeben, mein Köpfchen zerbrach. Bis ich zu dem Schluss kam, dass das alles wohl nicht so relevant ist …

Im Januar stehen sich die beiden Ritter wieder im Theatermuseum Düsseldorf gegenüber. Schaut es euch an! Zu Erleben gibt es viele tolle, verrückte Ideen und bunt kostümierte Energiebündel, denen es sichtlich Spaß macht, ihrem Publikum Spaß zu machen. Danke, Looters!

Die Fotos stammen von der Photoagentur Petra Heimsch. Sie zeigen die Premiere beim ARTig-Festival 2011 im Jungen Schauspielhaus.
www.photoagentur-petra-heimsch.net

Veranstaltung: ARTig-Festival 2011