Rezensionen

Bericht 18. Düsseldorfer Jazz Rally

Von Katharina Mannel

Eine Rally, ein Ziel: der perfekte Klang

Am Pfingstwochenende sah man viele Jazz-Fans in den Gassen der Altstadt. Das Erkennungszeichen: ein bunter Button. Die 18. Düsseldorfer Jazz-Rally hatte sie angelockt und alle Besucher hatten eine Sache gemeinsam, sie wurden zum swingen gebracht und folgten den Klängen der Musik in die entlegensten Ecken. Über 300.000 Besucher machten aus den Düsseldorfer Straßen einen kleinen Jazz-Tempel. Doch wie in einem Tempel, weiß man nie genau, wohin die nächste Abzweigung führt und gerade beim Jazz sollte man nicht in zu starren Formen denken. Er macht uns lebendig, lässt uns träumen und lässt uns im Takt der Musik swingen. Doch kann dieser mal sanft, mal funkig, mal rauchig oder experimentell sein. Er kann alles, uns zu den Harmonien im langsamen Takt bewegen oder unsere Tanzwut heraus kitzeln. Die Jazz-Rally wurde all dem gerecht, eine Rally, die nicht hätte bunter sein können, die nicht hätte mehr swingen können.

Die Musik lockte uns erst ins Burgzelt, eigens für die Jazz-Rally aufgebaut, zu Candy Dulfer. Diese niederländische Saxophonistin weiß, wie sie die funkigsten Töne aus ihrem Instrument lockt. Eine Saxy-Lady, die eins wird mit ihrer Band und jedem Zuhörer ein Gefühl von Freiheit gibt. Wenn man sich zu diesem Jazz nicht fallen lassen kann, dann zu keinem. Spätestens wenn sie mit ihrer grandiosen Band „Empire State of Mind“, die New-York-Hymne Song von Alicia Keys und Jay-Z, covert und sie den Gesangspart Alicia Keys mit ihren Saxophon interpretiert, wird einem ganz wohlig und eine leichte Gänsehaut breitet sich auf der Haut aus. Dieses ganz besondere Gefühl, welches genau dann aufkommt, wenn man merkt, dass dort jemand auf der Bühne steht, der mir etwas zu sagen hat und mich tief berühren kann. Und genau das konnte sie, genau das konnte der Jazz. Aber es ging nicht nur funkig zu, im Basement des Stilwerks wurde es intimer als Omer Klein seine Finger über das Piano gleiten lässt und man ihn einfach nur virtuos nennen kann, eine perlende Geschwindigkeit, die den Zuhörer staunen lässt. Dabei ist er aber nicht nur technisch perfekt, sondern auch gefühlvoll zugleich. Die Töne erfüllen den Raum mit einem Hauch von Melancholie und lassen uns schwelgen. Aber der Jazz kann noch viel mehr. Bei den Konzerten der Briten Corduroy, dem polnischen Leszek Kulakowski Trio oder bei Mojo-Clubs Danefloor-Jazz zeigte sich der Jazz von seiner experimentellen Seite. Experimentell waren auch die Austragungsorte, von der klassischen Bar bis hin zur Straßenbahn. Dort spielte das Tohuwabohu-Quartett auf den Sitzplätzen. Das Ruckeln der Straßenbahn beeinträchtigte zwar den Klang, aber wann fährt man schon mal mit so guter Musik ein paar Stationen Bahn.

Die Jazz-Fans zogen weiter durch die Stadt, immer der Musik hinterher, weiter auf der Suche nach dem Klang. Aber wo findet man eigentlich den perfekten Klang und welchen Klang will ich überhaupt finden? Bei der Jazz-Rally zeigte sich einmal mehr, wie groß der Einfluss des Ortes und der Stimmung ist, doch bei vielen Orten hatten die Veranstalter das passende Händchen. Es passte nicht immer alles und es ist streitbar, ob Jazz nicht doch in kleine rauchige, verruchte Bars mit gedämpftem Licht gehört, wenn der sehnsüchtige Klang des Saxophons ertönt. Aber im Jazz geht es gerade darum frei zu sein, sich zu lösen und zu träumen und wenn ein Festival genau das schafft, hat es dem Klang nach zumindest das perfekte Gefühl erreicht – das Lebendig-Fühlen in der Musik, denn in der Jazz-Musik wurde an diesem Wochenende gesagt, was mit Worten nicht gelingt.