Von Kathrin Serong
„Stell‘ dir vor, du hättest einen Tag mal keine Termine. Was würdest du tun?“ Dieser Frage und diesen Fakten zum aktuellen Alltag von (vor allem jungen) Menschen geht das Theaterstück „Being Ulysses“ auf den Grund, welches noch an einigen Terminen im Jungen Schauspielhaus an der Münsterstraße zu sehen ist.
Das Theaterstück handelt von sechs Jugendlichen, drei Mädchen und drei Jungen, die versuchen in ihrem hektischen Alltag nicht nur zu überleben, sondern auch noch zu leben. Heutzutage hat man mit vielen Klischees zu kämpfen und muss das eigene Verhalten genau beobachten, damit man nicht plötzlich als jemand abgestempelt wird, der man in Wirklichkeit gar nicht ist. Die sechs Jugendlichen stehen täglich unter Zeitdruck. Der Tag ist genau durchgeplant und sobald der Wecker um 06.45 Uhr klingelt, geht der Stress los. „Was soll ich nur anziehen? Erst habe ich Schule, dann Theater-AG, danach noch Kaffee trinken, den Termin im Berufsberatungszentrum und später bin ich auf eine Party eingeladen. Ach, und wenn ich heute das Gedicht vortragen muss, dann will ich auch gut aussehen.“ So entsteht schon kurz nach dem Aufstehen absolute innere Unruhe.
Außerdem sind da noch Liebe und Beziehungen sowie die Qual der Wahl, wenn es um die Karriereplanung geht. Ein Liebespaar streitet sich um die Gestaltung ihrer Beziehung. Das Mädchen ist enttäuscht, da der Junge ihr Treffen über die soziale Onlineplattform „Facebook“ abgesagt hat. Hier wird den Zuschauern gezeigt, wie sehr man heute von dem Internet abhängig ist und wie viel Zeit die Menschen damit verbringen, im Internet zu surfen und zu chatten. Man fragt sich, wo die Zeit für das Telefonieren geblieben ist und ob Reden und Zuhören tatsächlich nur noch „unproduktiv“ sind.
Wenn Jugendliche heute überlegen, was sie in Zukunft für einen Job ausüben möchten, gehen sie meistens zuerst in ein Beratungszentrum. So ist auch im Theaterstück „Being Ulysses“ eine der Schauspielerin auf dem Weg dorthin. Doch bevor sie ein Testergebnis bekommt, muss sie erst einmal 192 Fragen beantworten. Fragen, die meistens nicht so leicht zu beantworten sind. Was ist bei der Karriereplanung wichtig? Geld, Ruhm, persönliche Erfüllung oder von allem etwas? Die Jugendlichen sind heutzutage unsicher, was sie tun möchten. Sie haben kaum Zeit, sich auf sich selbst zu konzentrieren und in sich zu hören. Viele befinden sich noch auf der Suche nach sich selbst und können daher noch nicht entscheiden, wie ihre Zukunft aussehen soll.
Auf diese Weise stellt „Being Ulysses“ den schweren Kampf dar, in einer immer hektischer werdenden Welt nicht unterzugehen. Die Erwartungen der Mitmenschen werden immer höher, zugleich schraubt der Einzelne seine Erwartungen an das Leben herunter. Viele Dinge kann man nicht schaffen, da die Zeit fehlt und so ist die Botschaft des Theaterstückes: Nimm dir Zeit für dich selbst, um endlich mal zu leben, statt bloß zu überleben.




