Rezensionen

Beattheater 2011 // Schauspielhaus // 27.04.11

Von Katharina Mannel

Uraufführung von Kriwets „Beattheater“

Laute, treibende Beats, Textausschnitte von Allen Ginsberg und Videos von Kampfszenen in Nordafrika: So sehen für den Regisseur Christian Wittmann und den Komponisten zeitblom Kriwets „Beattheater“ heute aus. Durch Zufall wurde das Exposé wiederentdeckt – der Journalist Werner Reune bot es dem Leiter der Kunsthalle an, als er von der Planung einer großen Kriwet-Retrospektive hörte.

Schnell war das Interesse geweckt und die Umsetzung stand schon in den Startlöchern, doch als man Kriwet selbst traf und ihm darum bat, das Stück aufführen zu dürfen, war dieser mehr als verblüfft – er konnte sich nicht mehr an das Stück erinnern. „Ich musste erst einige Überzeugungsarbeit leisten, bis Kriwet der Aufführung zustimmte“, so zeitblom, der alle Lieder für das Stück arrangiert hat. Es ein Stück zu nennen, wäre auch fast schon übertrieben, Kriwets Exposé ist mehr ein Entwurf, der 1964 beeinflusst von der Beatgeneration entstanden ist, eine Jugenderfahrung des damals 22-jährigen Künstlers, die einen Lebensentwurf in dieser Generation aufzeigen soll.

So wurde gestern auf der kleinen Bühne des Schauspielhauses auch kein Theaterstück gezeigt, sondern eine furiose Konzertperformance in zehn Teilen, die sich mit der Formatierung und Prägung eines Individuums von der Geburt bis zu seiner Jugend beschäftigt. Die Autoren der Beatgeneration waren ebenso zu hören wie der politische Essay „Der kommende Aufstand“, der 2009 für viel Aufsehen sorgte. So entstand eine Performance, die sowohl einen treibenden und ständigen Beat hat, als auch mit Textausschnitten und Videos die Prägung und Sozialisation von Jugendlichen widerspiegelt – damals und heute. So war es den Initiatoren wichtig, dass beide Generationen sich wiederfinden, jung und alt, Elektro und Hendrix. Da Musik maßgeblich zur Sozialisation von Jugendlichen beiträgt, war sie auch eine der Kernthemen des Abends, doch gerade diese machte die sechzig Minuten auch etwas anstrengend, weil sie mit ihrem ständigen Beat fast schon elektrisierend wirkte. Doch zeigt es damit auch den Rhythmus der täglichen Medienflut an, der wir täglich ausgesetzt sind. Trotz der ständigen Beschallung war es eine beeindruckende und stürmische Performance, die einen förmlich mitgerissen hat.

Die Uraufführung des Beattheaters war die Auftaktveranstaltung des neuen Programms „Bühne“ der Kunsthalle Düsseldorf, die interdisziplinäre Formate zu ihren Ausstellungen entwickelt.