Von Miriam Bittner
Die Deutsche Oper am Rhein lädt ein zu einem Abend im Zeichen des modernen Balletts. „Compositie“ von Hans van Manen, „Frozen Echo“ von Regina van Berkel und die „Robert Schumann Tänze“ inszeniert von Martin Schläpfer. Ein „alter Meister“ und zwei Uraufführungen ergeben drei völlig verschiedene Choreografien.
Dabei zeigt sich: modern muss nicht immer gleich besser bedeuten. 2-mal vier Tänzerinnen und Tänzer, die sich um zwei überdimensionale Holztische schlängeln?! Dafür fehlt mir irgendwie der Zugang. Zwar gilt der Niederländer Hans van Manen als einer der bedeutendsten Choreographen der letzten Jahrzehnte und erntet einen lauten Schwall an euphorischem Applaus, doch die Intention und die Gefühle, die er dem Publikum vermitteln will, bleiben mir verborgen. Gewollte Perfektion durch Symmetrie und Spiegelung, die irgendwie bloß gewollt bleibt. Mäßig eintönige Musik, die im Orchestergraben verschwindet. Für die, die den „Meister des Purismus“ verstehen, vielleicht nett anzusehen, für die anderen (mich eingeschlossen) eher verwirrend.
Das zweite Stück von Regina van Berkel „Frozen Echo“, das somit ebenfalls niederländischer Natur ist, erscheint genauso puristisch wie sein Vorgänger und vielleicht noch ein Stückchen futuristischer. Und ebenso wie sein Vorgänger lässt es mich nach dem Sinn fragen. Wozu eine überdimensionale, leuchtende Wirbelsäule, die aus den Jurassic Park Requisiten geklaut sein könnte? Wozu eine Asiatin mit Lampenkleid? Wozu die Sturmfrisur à la Marge Simpson? Immerhin: die Kostüme bestechen durch ihre Leichtigkeit und wunderschönen Pastellfarben. Die Musik ist kraftvoll und zieht den Zuhörer in ihren Bann; Trompeten, Pauken, Glocken.
Bisher ein „netter“ Abend, aber nichts, was sich einprägt, nichts zum „Wiedergucken“ und „Weiterempfehlen“. Martin Schläpfer muss es im letzten Drittel reißen, Martin Schläpfer, der sich stets an den Großen versucht: Beethoven, Tschaikowsky, Mendelssohn und jetzt also Schumann. Der Name verspricht weniger Moderne und mehr Klassik, aber heraus kommt … eine exzellente Mischung aus Beidem. Moderne Kostüme zu klassischen Tönen. Moderne Tanzschritte zu klassischen Pas-de-Deux’s.
Wobei man jedem Tänzer des gesamten Ensembles eines zu Gute halten muss: sie gehören definitiv alle zur tänzerischen Topelite! Jede Bewegung: Perfekt! Jede Faser des Körpers: Gespannt! Jeder Sprung: Kraftvoll! Jede Drehung: Anmutig! Eine Körperbeherrschung, wie ich sie mir nur in meinen kühnsten Tagträumen vorstellen kann.
Fazit: Das Können der Tänzerinnen und Tänzer lässt über alle Verwirrungen und Ungereimtheiten gnädig hinwegsehen und der Glanz von Schläpfers Schumanninterpretation lässt jeden Fauxpas gleich weniger schlimm auffallen. Ein Besuch ist also zu empfehlen (allein schon, weil es endlich einen Anlass gibt, die schicke Abendrobe aus dem Schrank zu kramen).




