Von Marie Buchholz
Amor und Psyché, eine Geschichte aus der Antike, wobei Amor, ein Gott und Psyché, Tochter eines Königs, sich verlieben und trotz ihres unterschiedlichen Stammbaums zueinander finden. Hyun-Jung Wang alias Honji und Sébastien Ramirez, beide aus unterschiedlichen Kulturen stammend, lassen sich von diesem Hintergrund inspirieren und versetzten ihn gekonnt mittels Hip Hop und Modernem Tanz in die heutige Zeit.
Die Bühne ist schlicht gehalten, nur ein Baum ragt aus einer Ecke, der Boden ist in einer hellen Farbe verkleidet, über den sich Honji in eleganter Bodenakrobatik bewegt, gefolgt von Sébastien. Sie berühren und entfernen sich wieder von einander, die Anziehung ist da, jedoch wird sie nur zögerlich zugelassen. Sie tanzen bis Sébastien plötzlich die Bühne verlässt und Honji ein Paar Schuhe, ein rotes Kleid und eine Blonde Perücke zuwirft. Sie zwängt sich in die „West-Europäerin“-Verkleidung, worauf Sébastien sich Honji wieder nähert, die nun eher einer Marilyn Monroe ähnelt, als einer koreanisch stämmigen Deutschen, und sofort geht das Spiel weiter. Neben den halsbrecherischen und dennoch eleganten Breakdance-Einlagen von Sébastien und Honji erzählen die beiden Tänzer auch über ihre Erfahrungen, ihre Ängste und die Diskriminierungen, die sie aufgrund ihres unterschiedlichen kulturellen Hintergrundes erfahren haben. So reden sie in einer Szene in insgesamt fünf verschiedenen Sprachen sowohl miteinander, als auch mit dem Publikum über die Kommunikationsprobleme, die sie manchmal in ihrer Beziehung haben. Im Hintergrund der Szenerie ruht ein Baum, oder eher noch ein Stammbaum, an dem gelegentlich kleine rote Lichter aufstrahlen und wieder erlöschen. Im Verlauf des Stückes erleuchtet der Baum immer öfter in verschiedenen Farben, bis er schließlich erstrahlt, als Honji und Sébastien zum Ende des Stückes sich und die Person gegenüber akzeptieren und zueinander finden.
Alles in allem gebe ich dem Stück die Höchstwertung und ziehe meinen Hut vor der tänzerischen Leistung der beiden Darsteller, die es schaffen mit viel Leidenschaft und etwas Ironie eine echte Geschichte zu erzählen.




