Von Miriam Bittner
Ein bisschen gruselig ist es schon: die Zuschauer werden in den kleinen Studio-Saal eingelassen, drei Menschen liegen am Boden. Sie sind mit weißer Kreide umrandet, wie bei den Leichen im Fernsehkrimi. Sind sie tot? Dann eine dunkle Bühne und ein dunkler Zuschauerraum. Spot auf ein einzelnes Mädchen: Lia.
Es ist eine Mischung aus Jugenddrama und Science-Fiction-Story, das Bühnenstück von Lorenz Hippe. „2050 – Ein Tag im November“ erzählt die Geschichte der 13-jährigen Lia, das heißt, es wird nur von einem einzigen Tag aus ihrem Leben berichtet: dem 8. November 2050, dem Tag vor ihrem Geburtstag, per „morphogenetischer Übertragung“, Gedankenübertragung.
Rückblende. Am Anfang war noch alles normal: Stress mit dem überbesorgten Vater, Schwärmerei für den rebellischen Milan, Eifersüchteleien auf ihre überengagierte, beste Freundin Semra, Rebellion gegen alles, gegen die Regierung, gegen das System. Ein normaler Tag zwischen künstlichen Blumen und Roboter-Lehrern, zwischen gereinigter Luft und angelegten Seen. Ein normaler Tag in einer durch Umweltverschmutzung gebeutelten Welt, einer Welt, in der man lernen muss, zu verzichten. Und wieso? Weil die Menschen der Vergangenheit, also Wir, eben nicht verzichten konnten, auf Autos und Kriege und Verschwendung.
Am Anfang war noch alles normal, doch dann verändert sich alles, denn ein gewaltiger Sturm bricht herein, der die Stadt davonschwemmt und Menschen tötet. Ihr fragt euch, wie das alles auf einer Bühne umzusetzen ist? Dann kann ich nur sagen: mit den einfachsten Mitteln, aber auf imposante, eindringliche Weise. Durch Licht und Sound und purer Energie. Und Figuren, denen man ihre Gefühle auch wirklich glaubt.
Die Aussage ist klar, Lia schreit sie dem Zuschauer buchstäblich ins Gesicht: lernt zu verzichten, verändert die Dinge, schützt euren Planeten, damit auch wir noch was davon haben. Noch ist es nicht zu spät!
„2050 – Ein Tag im November“ ist also nicht bloß Jugenddrama oder Science-Fiktion-Story, sondern auch der Versuch zu zeigen, was passieren KÖNNTE, in naher Zukunft. Ein Umweltschutzkampagne, aber auf die etwas andere Art und Weise, keine nervigen Unterschriften oder Zeigefinger, sondern einfach … ein Gedanke.
Ansehen!




