Rezensionen

1. DÜSSELDORFER TRESENvorLESEN

Von Antonia Alessia Virginia Beeskow

Neben dem bereits bekannten und oft gut besuchten Pretty Poetry Slam des Pretty Vacants in der Düsseldorfer Altstadt hat sich ein neues Format der künstlerischen Entfaltung in Form von Sprache und Worten in den kleinen Club dazugesellt, um den Kampf gegen „Jungesellenabschiede mit geistlosem Gesichtsausdruck und halb offener Hose, Föntänen kotzend“ und „den Bürgersteig entlang kriechend“ aufzunehmen: Das Düsseldorfer TRESENvorLESEN, die „Altstadtlesebühne“ für junge, ambitionierte Autoren/innen moderiert von Denis Seyfarth.

Anders als beim Poetry Slam gilt es beim TRESENvorLESEN nicht wettzustreiten und um die Gunst des Publikums zu buhlen, sondern einfach zu unterhalten und den Zuhörer in die Welt der literarisch-unbegrenzten Möglichkeiten mitzunehmen – und ihn hoffentlich dort ein bisschen zu behalten. Zur Feuerprobe wurde der Journalist und Satiriker David Meiländer aus Köln eingeladen, der sich ebenfalls schon beim Poetry Slam des Pretty Vacants erprobt und zum Teil auch bewährt hatte.

In einer kleinen, aber beschaulichen Runde gaben die beiden Autoren ihr „Best of“ zum Besten, die Rede war von „Masturbationsinstrumentarium“, Meg Ryan, wie sie früher war, Glück und Qual des Zweiterseins, hysterisch anmutenden Träumen und Aufwachbegebenheiten, die meist am späten Nachmittag begonnen. Derbe Witze über das Kotzen auf Partys und das Verhalten paarungswilliger Männer (um es kurz auf einen Nenner zu bringen) ließen oft schmunzeln und auch lachen. Doch war meiner Meinung nach das Feld doch eher von Flachwitzen und -wichse verbunden. Und nach dem gefühlt hundertsten Text zur WM war ich dann doch froh, wieder was über das gute alte Thema „Beziehungskiste“ zu hören. Wobei auch dies durch zwei oder drei Texte seitens David Meiländers „abgerundet“ werden konnte: Oliver Kahn und Katrin Müller-Hohenstein, das WM-Traumpaar des ZDF, ja okay.

Doch insgesamt hatte der Abend eine sehr heimelige und vertraute Atmosphäre, so eine Art „Wohnzimmer-Feeling“, einem Abend unter Freunden und war vor allem entspannend und lustig mitanzuhören, denn lachen musste ich auch manchmal. Das TRESENvorLESEN ist auf jeden Fall ein sehr erfreuliches und interessantes Format, das auf literarischer Ebene auch für nicht so große Liebhaber des Wortgefechts Poetry Slam schmackhaft sein kann – vorausgesetzt es finden sich auch Autoren anderer (Ab-)Arten der Literatur. Man hofft. Auf, in Runde Zwei, Drei, Vier, …!?