Miriam Bittner
Es gibt hunderte, tausende, abermillionen von Geschichten „über das Suchen“. Da werden Schlüssel gesucht und Schätze und Gold und Edelsteine, Söhne suchen ihre Väter, dynamische Prinzen ihre Herzensdame und und und…
Alles, was man potenziell verlieren kann, das kann man auch potenziell suchen. Aber egal was gesucht wird, es gibt immer eine Gemeinsamkeit: Die Helden müssen ihre Abenteuer niemals alleine bestehen, da gibt es immer einen treuen Gefährten, einen Freund, der sie bei der Hand nimmt und ihnen hilft, wenn sie nicht weiter wissen. Ob dieser nun Ron oder Sam oder Esel oder Tiger oder Buzz heißt.
Aber was ist, wenn man das Allerwertvollste verloren hat, das ein Mensch besitzen kann? Was ist, wenn man sich selbst verloren hat? Wer nimmt einen dann an die Hand, auf der Suche nach dem „Ich“?
Textprobe:
“Ich musste sie suchen gehen!
Ich musste sie zurückholen!
Was sollte ich denn Vater und Mutter sagen?
Würden sie nicht fragen wo mein allerliebstes Schwesterherz geblieben sei?
Sollte ich sagen, sie ist weggeflogen?
Ich musste sie suchen!
Ich musste sie finden!
Schnell kletterte ich von unserem Lieblingsbaum herunter, so schnell, dass ich abrutschte und mir die nackten Füße an der schorfigen Rinde blutig rieb. War mir egal! Und unserem Lieblingsbaum auch. Pfirsich! Seine Rinde war so süß, dass die paar Tropfen bitteren Blutes daran nichts ändern konnten. Süß! Süße Rinde, süße Früchtchen, süße Lippen! Mein allerliebstes Schwesterherz und ich hatten wie so oft an lauen Sommerabenden auf unserem Baum gesessen und unsere Münder waren so verklebt und verschmiert, unsere Kleidchen waren so verklebt und verschmiert gewesen vom Pfirsichsaft, dass schon Bienen und Schmetterlinge angesurrt gekommen waren. Und unsere Bäuche waren so rund und kugelig gewesen, dass wir uns lange Zeit nicht hatten bewegen können, wozu auch? Ich hatte ja meinen Lieblingsbaum und den Sonnenuntergang und mein Schwesterherz.”
_
Miriam-B




