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Landeshauptstadt Düsseldorf

Esther Haase: Photographien

23.09.2009 - 31.01.2010


Im InterContinental Düsseldorf findet eine Ausstellung der renommierten Fotografin Esther Haase statt, die vom NRW-Forum Düsseldorf kuratiert und deren Exponate von der Berliner Photogalerie Camera Work zur Verfügung gestellt wurden. Damit setzt das InterContinental Düsseldorf seine erfolgreiche Kooperation mit dem NRW-Forum fort.

Esther Haase wurde 1966 in Bremen geboren. Sie absolvierte eine klassische Tanzausbildung an der Staatlichen Akademie in Köln und studierte dann von 1988 bis 1993 an der Hochschule der Künste in Bremen. Seit 1993 arbeitet Esther Haase als selbständige Fotografin und reist für ihre Aufträge rund um die Welt.

Quelle: http://www.nrw-forum.de/
Bild: Esther Haase: Julieta Tortoni, Buenos Aires, Mai 2008 (c) Camera Work Berlin (Bildausschnitt)

Rezension

Geschrieben von: Timon Jansen

3 Sterne

Zuerst muss ich im protzigem InterContinental Düsseldorf ein wenig suchen, bis ich ein verlorenes Bildchen vor einer Reihe von Aufzügen finde. Ein kurzer Begleittext bestätigt mir, dass es sich um die „Ausstellung“ von Esther Haases Photographien handelt. Doch keine Spur von den restlichen Photographien, nur dieser eine laszive Einblick in das Dekolleté einer Frau, deren Haut durch die verschiedenen Graustufen unmenschlich sanft wie geschmeidig gemacht.

Denn die Photographien sind auf den zehn Etagen des Hotels verteilt, jeweils direkt vor den Aufzügen, die man nur mittels einer zugehörigen Karte benutzten kann. Diese sogenannte „Gallery“ fungiert also als eine Dekoration, und ich bezweifle stark, dass sich viele die Mühe gemacht haben in jede Etage zu fahren. Die Hotelgäste selber werfen allenfalls einen kurzen Blick auf den Luxus, den sich das InterContinental leisten kann. Trotzdem beeindrucken mich die Bilder: Die renommierte Hamburger Modefotografin inszeniert oft charismatische Frauen, die in ihren Bildern optimistisch Erotik und Lebensfreude ausstrahlen. Seien es kubanische Tangotänzerinnen, die Männer verführen, magere Hamburger Nachtclubsängerinnen oder energische Tänzerinnen aus anderen Ländern in farbenfrohen Kostümen. Vieles wirkt filmisch, als ob Teil einer altbekannten Szene.

Manchmal ist es nur das Tanzbein, manchmal der Po einer Kubanerin, welche seltsamerweise gleichsam aufreizend sind. Spärlich und bewusst. Aber es sind nicht nur kurvenreiche Körper zu sehen, auch zwei dicke Frauen präsentieren fröhlich ihre Pracht. In einem ihrer Zitate, die neben den Bildern angebracht sind, erklärt sie ein Interesse für Bewegung. Nicht so abwegig für eine Fotografin, die eine klassische Tanzausbildung genoss. Dies spiegelt sich stark in ihrem Werk wider: Die meisten sind ein Abbild einer Bewegung, nicht nur tänzerische, und selbst die anderen Inszenierungen, wie z.B. Porträts, stehen nicht für Stille und Bewegungslosigkeit, sondern skizzieren das Rastlose und Kräftezehrende des Lebens. Ihr Spiel mit der Unschärfe unterstützt ihr anliegen. Phänomenal, wie sie mit Hilfe von Polaroid-Technik eine nostalgische Atmosphäre im heutigen Kuba entstehen lässt, ohne dabei auf bewusste Schärfe/Unschärfe sowie Details verzichten zu müssen. Die Photographien stehen im krassen Kontrast zu ihrem Entstehungsdatum, könnten fast historische Aufnahmen sein, wären sie nicht so bewusst inszeniert.

Die Modefotografin ist stark in ihren Porträts. Nicht umsonst werden die Namen jedes Modells genannt, weswegen die Photographie „Revolucion“, auf denen stolze fahnenschwingende Kubaner gezeigt werden, ein wenig stutzig macht, wie ein kläglicher Versuch aussieht sich eine andere Richtung anzueignen. Zum Glück bleibt dieser Versuch ein Einzelfall.

Wer experimentelle Fotografie, unbekannte Perspektiven und mutige Motive sucht ist hier fehl am Platz. Was nicht heißt Esther Haase sei keine überragende Fotografin. Nur bleibt der Gedanke haften, dass sie aus der Modebranche kommt und tatsächlich stößt man im weitesten Sinne auf nichts anderes; Menschen bilden nunmal die Modelle der Modefotografie. Letztendlich ist es unheimlich Schade, diese Ausstellung auf eine unterschwellige Art und Weise der Allgemeinheit zu verwehren: Denn man kommt sich sehr verloren vor, zwischen Armani-Anzügen und Kofferträgern, als einziger, den diese Bilder wirklich zu interessieren scheinen.

Kommentar

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