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Geometronomics

22.09.2009 20:00h


Rasanter HipHop nach alter Schule

Dass der HipHop längst nicht mehr nur seinen festen Platz auf der Straße hat, sondern genauso auf den Bühnen der Welt, hat der altstadtherbst in der Vergangenheit mit zahlreichen großartigen HipHop-Kompanien gezeigt. Nun gastiert Niels „Storm“ Robitzky, Meister des Old School mit zwei Choreografien beim Festival: „Storm in klassischem Kontext“ ein Solo zu klassischer Musik und „Geometronomics“, in dem er mit sechs Tänzern der brasilianischen Kompanie Discípulos do Rítmo die Spannung zwischen geometrischen Formen und Rhythmus unglaublich fulminant auslotet.

Quelle und Bildnachweis: http://www.altstadtherbst.de/

Rezension

Geschrieben von: Valerie Heeks

2 Sterne

Das Theaterzelt am Burgplatz ist wirklich gut gefüllt. Meine Erwartungen waren hoch, denn einerseits habe ich schon einige tolle Hip Hop Stücke gesehen, andererseits hat man von überall positive Eindrücke über die Geometronomics zugesprochen bekommen.

Schon beim ersten Teil des Stückes, einer Ein-Mann-Show, war das übrige Publikum restlos angetan, wie Begeisterungsrufe und lautes Klatschen vermuten ließen. Ich konnte diese Begeisterung leider nicht ganz verstehen. Es war zwar ganz nett, wie da ein schick angezogener Herr im augenscheinlichen Ambiente einer Fabrikhalle zu klassischer Musik Hip Hop tanzte. Doch für mich auch nicht mehr. Es folgte eine Umbaupause, das Publikum durfte den Saal aber nicht verlassen. Was auf der Bühne passierte war auch nicht besonders spektakulär und so zog sich die „Pause“ über einige langweilige Minuten hin.

Dann ging es aber richtig los. Hätte ich jedenfalls gedacht. Die Musik war auch klasse, die Tänzer bestimmt auch. Nur leider wirkte die Choreographie auf mich relativ ermüdend und nicht so abwechslungsreich. Zwar haben sich alle Darsteller sichtlich Mühe gegeben das Publikum zu unterhalten, aber mich persönlich haben ihre Versuche leider nicht erreicht. Das übrige Publikum aber größtenteils schon. Und so verging die Zeit mit wechselnden (oft städtischen) Hintergründen, Szenen und Musik, doch die Tanzschritte schienen die gleichen zu bleiben.

Am Ende betrat ich etwas enttäuscht den Burgplatz. Um mich herum viele begeisterte Zuschauer, die ich gerne verstanden hätte. Denn leider fand ich die Gruppe "Geometronomics" aus Berlin wenig überzeugend.

Kommentar

Geschrieben von: Aline Urlichs

02.10.2009 16:22:53

Dem kann ich mich so gar nicht anschließen! Ich habe das Ganze so empfunden, dass die Tänzer allesamt eine extrem gute Körperbeherrschung hatten und allein das hat mich schon sehr fasziniert! Die Musik war top, die Tänzer auch und ich finde es schade, dass anscheinend doch einige das nicht so sehen. Aber es ist interessant, wie unterschiedlich diese Show aufgefasst wurde! Dass "die Stimmung im Publikum ein bisschen der im Bierzelt glich" kann ich nicht sagen, zumindest an dem Abend, an dem ich dort war, klatschte man nicht ständig, sondern gezielt und an den Stellen, an denen es durchaus angebracht war!
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Geschrieben von: Judith Heese

01.10.2009 01:11:54

Das habe ich auch so empfunden: das war HipHop für Erwachsene mit jeder Menge Entertainment gepudert, sodass die Authentizität leider etwas auf der Strecke blieb. Mir hat außerdem ein dramaturgisches Konzept gefehlt, ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Fahrstuhl-, Ubahn- und Autofahrszenen. Die Jungs hatten es drauf, in der Tat, nur leider haperte es an der Inszenierung!
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Geschrieben von: Stella Volkenand

29.09.2009 21:25:45

Ich muss Dir leider zustimmen! Die Musik war wirklich gut gewählt- ein Mix aus Klassik, Old School-Hip Hop und Soundtracks. Das Bühnenbild hat mir auch gefallen- auf dem Boden leuchteten Quadrate auf, sobald ein Tänzer darauf trat, das hat mich an verschiedene Filme erinnert-aber die Choreographie selbst war nicht besonders unterhaltend. Die Stimmung im Publikum glich ein bisschen der in einem Bierzelt. Die Zuschauer klatschten wirklich ständig, selbst dann, als das Bühnenbild umgebaut wurde.
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Um einen Kommentar zu hinterlassen musst Du eingeloggt sein Geschrieben von: Peggy Zenkner

2 Sterne

Man mag es kaum glauben, aber als ich 16 war, entwickelte ich eine Liebe zu breakdance und b-boys. Privat hörte ich Rock und in den Dorf-Clubs tanzte ich zu Techno. In den 90ern, wohlgemerkt. Eine der schönsten Erinnerungen meiner Teeniezeit ist ein Konzert der Massiven Töne. Ich stand in der ersten Reihe und nickte mit dem Kopf. Und nach dem Konzert tanzte ich mit den b-boys. Großes Kino. Ich war tagelang high. Heimlich liebe ich b-boys und breaken noch immer.

Ich bin also freudig gespannt, als im Theaterzelt auf dem Burgplatz die Spots auf der Bühne angehen und Musik erklingt. Dann die erste Irritation. Ist das nicht...Klassik?! Tatsächlich, ein Mensch beginnt, Locking- und Popping-Bewegungen zu klassischer Musik zu vollführen. Und es funktioniert, auch beim Zuschauer. Das einfache Bühnenbild, medial bespielt, versetzt mich mit der Darstellung einer alten Fabrikhalle ins Los Angeles und New York der 70er Jahre, wo alles begann. Vor allem afro- und puertoamerikanische Jugendliche entwickelten damals parallel zum entstehenden Hip-Hop-Sound eigene Tanzformen, die im Laufe der Jahre immer neue Strömungen und Verfeinerungen erfuhren und durch die Medien unter dem Begriff breakdance populär wurden.

Storm tanzt immer noch allein auf der Bühne. So langsam werden rechts und links von mir unruhige Stimmen laut: „Tanzt der die ganze Zeit allein?!“ Auf mich wirkt das Ganze wie eine Art Ouvertüre, die langsam ihren Reiz verliert. Am Anfang überraschend, wirkt es schnell zu einseitig. Dann geht er ab und das Publikum ist verwirrt. Aufstehen, Pause, war’s das schon? Ein offener Umbau findet statt. Das Publikum soll wohl einbezogen werden, innovative Idee, die hatte ja noch keiner. Endlich ertönen funky Klängen und man weiß: jetzt geht’s los!

Die Musik reißt mit, Funk geht in die Beine und durchströmt den Körper. Eine wilde Abfolge von Szenen erfolgt. Da wird ein Fußballspiel getanzt, zum Schlag eines Metronoms gebreakt, mit Anlalog- und Digitalwelt gespielt. Immer unterstützt von Filmen und Bildern, die auf die Bühne geworfen werden. Es geht um Mechanik und Elektrik, um Zeit & Zeiteinheiten und immer um bewegen und bewegt werden. Eine Zugfahrt wird getanzt und gleich darauf erscheinen Lichtkästen auf dem Boden, die aufleuchten, wenn auf Ihnen getanzt wird. Einige wunderbare Reminiszenzen an die 80er sind dabei. Es fehlt allein der rote Faden, der aus dem Ganzen eine runde Sache macht. Die Choreographie erschöpft sich schnell, irgendwann ist alles gezeigt, es läuft auf keinen Höhepunkt zu. Immer neue Bilder und Welten tauchen auf der Bühne und Leinwand auf, aber sie beginnen zu langweilen. Es fühlt sich an, als sei hier breakdance runter gekocht worden, um einen Bildungsbürgertum mittleren Alters handlich serviert zu werden. Dieses ist im Publikum in der Mehrheit und klatscht bei der geringsten Bewegung begeistert. Meine Euphorie ist leider längst verflogen.
Während die letzte Staffel von America's Best Dance Crew auf MTV mir zeitweise Gänsehaut verschafft hat, habe ich heute Abend trotz einiger guter Szenen leider nur ein leises Gähnen verspürt.

Fazit:
Ich habe beim altstadtherbst kulturfestival düsseldorf schon viele wundervolle und bezaubernde Abende erleben dürfen. Heute war keiner davon. Hier wurde breakdance gezeigt. Aber den Herzschlag der Bewegung, den habe ich heute Abend nicht gespürt.

Kommentar

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