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Per Kirkeby

26.09.2009 - 10.01.2010


Per Kirkeby (*1938) ist der bedeutendste dänische Künstler seiner Generation. Er entschloss sich nach einem Studium der Quartärgeologie und mehreren Expeditionen nach Grönland, Künstler zu werden. Die Ausstellung wird das Gesamtwerk dieses vielseitigen Malers und Literaten anhand von Werken aus allen Schaffensperioden seit den frühen 1960er Jahren präsentieren. Eine wichtige Rolle spielen dabei die zahlreichen Querverbindungen zwischen den unterschiedlichen Medien, in denen Kirkeby arbeitet. Neben etwa 70 teils großformatigen Gemälden werden Skulpturen, Malereien auf quadratischen Masonitplatten, Zeichnungen, Aquarelle und Radierungen zu sehen sein. Kirkebys zentrales Thema ist das Verhältnis des Menschen zur Natur, eine künstlerische Position mit deutlichen Beziehungen zur Romantik, die sich in seinem Werk immer wieder als ausgesprochen aktuell erweist. Ein eigener Raum wird den Büchern des Künstlers gewidmet, der zahlreiche poetische Texte und Essays veröffentlichte und auch eine imponierende Reihe von Büchern mit Grafiken und Zeichnungen gestaltet hat. Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit Tate Modern in London.

Quelle: http://www.museum-kunst-palast.de
Foto (Ausschnitt):
Per Kirkeby
"The Murder in Finnerup Lade", 1967
Mischtechnik auf Masonit
122 x 122 cm
Louisiana Museum of Art


Rezension

Geschrieben von: Antonia Alessia Virginia Beeskow

4 Sterne

Wie ein pulsierendes Organ, lebendig, kraftvoll und doch eingefangen auf Leinwand erschließt sich mir dieses Gebilde, Bildnis und zieht mich in seinen Bann: Nikopeja II von Per Kirkeby.

Der Däne, 1938 geboren, hat vielerlei Talente. Der eigentlich promovierte Geologe arbeitete als Schriftsteller, Filmemacher, Performancekünstler, Bildhauer, Druckgrafiker, Zeichner, und Architekt. Er selbst bezeichnet seine Kunst als „Art Geologie“, denn vielfach dient die Natur Kirkeby als Hauptinspirationsquelle.

So ist auch „Nikopeja II“ von Bäumen und Flechten inspiriert. Und so ergibt das pulsierende Etwas vor mir auch einen anschaulichen, darstellerischen Sinn. Auf einmal erkennt man einen Stamm, vereinzelte Zweige,... eine Baumkrone?

Die Darstellung entspricht nicht der Realität, der Natur wie ich oder du sie kennen. Kirkeby „klaut“, wie er selbst sagt, einzelne Elemente, auch anderer Künstler wie z.B. Caspar Wolfs, von dem parallel ebenfalls eine Ausstellung zu sehen ist, um sie neu zu konstruieren, so dass neue Landschaften entstehen können.

Das museum kunst palast zeigt eine Retrospektive des Künstlers, sein gesamtes Schaffenswerk betreffend. Somit ist es möglich, neben den neueren, vor Farbenfreude und -Intensität strotzenden Werken, auch die älteren, ganz anderen Bilder zu betrachten.

Seine Collagen, die der Pop Art Warhols und Lichtensteins der 60er Jahre nachempfunden sind, sind bunt, doch nicht farbintensiv, stellen eher ältere Populärfiguren dar. So sind auf einem Bild alte Glanzbilder, wie ich sie aus dem Poesiealbum meiner Mutter kenne, geklebt. Oft wird Kirkeby als Künstler des Neo-Expressionismus bezeichnet. Seine Bilder bauen auf versteckte Details, Chiffren und Emotionen. So wirkt ein Bild durch den besonders intensiven Farbauftrag von Türkis, als scheine die Farbe von sich selbst etwas Bedrohliches, Schauerliches auszustrahlen und leuchtet mysteriös. Seine Aquarelle dagegen sind der Natur getreu, es sind Landschaftsbilder, meist die Küstenregion darstellend.

Neben seinen Bildern zeigt die Ausstellung auch mehrere schriftliche Werke des Künstlers, der sich nicht auf eine Gattung beschränkte: Neben Romanen finden sich Gedichte und Essays. Auch die Kurzfilme „Brigitte Bardot“ und „Dracula I“, die Kirkeby 1968 und 1970 drehte, werden auf eine große, weiße Wand projiziert gezeigt.

Leider gab es „Nikopeja II“ nicht als Poster zu kaufen. Schade, ich hätte es in meinem Zimmer aufgehängt. Dann würde die Natur aus ihm in meinem Zimmer pochen.

Kommentar

Geschrieben von: Artiom Miziouk

11.12.2009 01:05:03

Der Künstler gefällt, doch ver- und entzaubert er leider nicht. Nicht bei mir. Kraftvoll ja, intensiv ja, emotional und energetisch, leicht auflehnend und doch ein wenig nüchtern. Doch ist er für mich viel mehr ein Irrender. Anhaltspunkte sind für mich hierfür seine zwar multimediale, aber nur sehr bedingt intermediale Arbeit, zu der er alle Gelegenheit hätte. Hinzu kommt, dass ich ein offenkundiges mystisches Interesse vermisse, dass aus meiner Sicht für einen Künstler unentbehrlich ist. Denn in der Tat ist auch Warhol für mich gerade durch seine "Verneinung" des Transzendenten ein Künstler, dessen Arbeit Mystisches in sich trägt und Kerkeby in seiner frühen, aber auch aktuellen Arbeit, die in muku zu sehen ist, zu sehr materiell und deswegen zu sehr wesensfremd. Dennoch, für einen Künstler halte ich ihn wohl!
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