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Landeshauptstadt Düsseldorf

Müssen nur wollen

19.06.2010 11:00h


„Theatergruppe am Goethe“ Stufe 8-10, Goethe-Gymnasium Düsseldorf

Von den Kinderbuchklassikern „Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann und „Max und Moritz“ von Willhelm Busch kann jede Generation ein Lied singen. Auch unsere Eltern haben sie schon mal umgedichtet und für die eigenen Erziehungszwecke benutzt. Dem geht das Stück auf den Grund und nimmt das Schlachtfeld, das Struwwelpeter und Co. in uns hinterlassen haben auseinander.
Die Geschichte erzählt von Kindern, die ausbrechen, weil sie zu streng behandelt werden und von denen die sich zurück ziehen, weil sie zu viel Raum zur Entfaltung ihrer eigenen Persönlichkeit haben. Kindern, die mit dem stetigen Drang erwachsen zu werden, oftmals vergessen Kind zu sein.

Mit: Hannes Becker, Anna- Cecile Buch, Johanna Brusa, Milena Bodenstein, Leonie Fabis, Lucy Hansen, Judith Martin, Niklas Meffert, Denise Schmitz, Luca Sonnen
Spielleitung: Hendrik Kung, Valer Schulte Fischedick, Nurcan Selek
Choreographie: Damjam Stojkovski, Janna Linz
Fotos: Sinem Spielberg
Video: Sean Mertiens


FFT Kammerspiele

Rezension

Geschrieben von: Dennis Palmen

4 Sterne

Der Alltag der Jugendlichen, die in „Müssen nur wollen“ eine Bühne bevölkern, welche irgendwo zwischen Spielplatz, Reifenlager und Kuscheltierzoo pendelt, ist hart und von elterlicher Seite durchorganisiert. Im Stück der Theatergruppe am Goethe Gymnasium Düsseldorf ist die „Erziehungsberechtigte“ eine mit strahlend weißer Uniform, strengem Dutt und Trillerpfeife ausgestattete Drill Instructress (präsent gespielt von Milena Bodenstein), welche ihre untergebenen Schäfchen mit Bonbons, militärischen Sprechgesängen und Gruppenchoreographien konditioniert und Spiele und auszuführende Handlungen diktiert. Ist die Aufsichtsperson einmal nicht anwesend, entwickeln sich eigene Dynamiken, es wird „von unten“ über das Großwerden gesprochen. In der collagenartigen Inszenierung (Spielleitung: Hendrik Kung, Valer Schulte Fischedick und Nurcan Selek) kommentieren einfallsreiche Bilder und kleine Spielszenen Texte aus dem „Struwwelpeter“, Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ oder eigene Geschichten aus der Welt der Jugendlichen. So wird ein schimpfendes Mädchen (kraftvoll rebellisch: Denise Schmitz), das über seine allzu fürsorglichen Eltern monologisiert, kurzerhand in einem Turm aus Autoreifen eingesperrt. Eine weitere, einprägsame Szene präsentiert durch einen Moderator augenzwinkernd verschiedene Elterntypen und ihre Erziehungsstile, komplett mit passenden Outfits und Beispielsätzen. Immer wieder unterbricht das schrille Pfeifen der Aufseherin das Nachdenken und Ausprobieren der Jugendlichen, doch schließlich kommt es zu Aufstand und Ausbruch der Heranwachsenden und einen Wechsel der Seiten. Für die weiß gekleidete Autoritätsperson endet diese Revolution als Setzling in einer Tonne, wo sie - mit Blumenerde, Wasser und peinlichem Kopfschmuck versehen - nun ebenfalls alle Facetten des Groß- und Bevormundetwerdens über sich ergehen lassen muss.
Insgesamt eine abwechslungsreiche Momentesammlung über den Raum zwischen Kindheit und Erwachsensein, die vor allem durch die Energie der Darsteller und eine verständliche Bildsprache besticht.

Kommentar

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