Login





Eingeloggt bleiben


Neu registrieren
Passwort vergessen

Unsere Empfehlungen
« 07 / 2010 »

MO
DI
MI
DO
FR
SA
SO
 
 
 
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 

Stichwortsuche



Haftungsausschluss
Sitemap


Vodafone Stiftung Deutschland

Landeshauptstadt Düsseldorf

Anna Karenina

28.02.2010


Nach dem Roman von Leo N. Tolstoi
Uraufführung der Bearbeitung von Petra Luisa Meyer und Hans Nadolny

Der berühmte Roman, der seit über 130 Jahren immer wieder gern gelesen wird, besteht genau genommen aus drei Romanen, die sich gegenseitig relativieren: Da ist die Liebesaffäre der jungen Anna, diesem leuchtenden Stern am Petersburger Gesellschaftshimmel, mit Alexej Wronskij. Und da wird die Ehe von Annas Bruder Stiwa, der das Leben immer nur von der heiteren Seite ansehen möchte, ins Visier genommen. Und es gibt die Geschichte des reformfreudigen Landwirts Ljewin, der mit religiösen Skrupeln und intellektuellem Selbstzweifel seine fragile Ehe mit der blutjungen Kitty heftigen Belastungsproben aussetzt. Ljewin trägt Züge des Autors, der vor 100 Jahren auf der Flucht vor seiner Familie auf einem Bahnhof gestorben ist. Anna Karenina ist die strahlendste Erscheinung Tolstois. Jeden Augenblick ihres Lebens lebt sie leidenschaftlich. Aber den blauen Nebel der Jugend hat sie hinter sich, und aus diesem großen, glücklichen und fröhlichen Kreis führt sie ihr Weg in einen Tunnel der Reife, in dem sie nur noch kalte Mauern umschließen. Die neue Dramatisierung des vielschichtigen Romans am Düsseldorfer Schauspielhaus folgt der kunstvollen Verflechtung und gegenseitigen Spiegelung der verschiedenen Geschichten, für die Tolstoi zu Recht höchstes Lob erfuhr.

Quelle: http://www.duesseldorfer-schauspielhaus.de/

Rezension

Geschrieben von: Antonia Alessia Virginia Beeskow

1 Sterne

Man nehme einen Klassiker der Weltliteratur, ein Dutzend Klischees und eine Menge Schmalz. Lässt man das Ganze ca. drei dreiviertel Stunden stehen, erhält man eine klebrig-süße Masse, die endlich mal von „den wirklich wichtigen Dingen im Leben handelt“.

Anna Karenina gehört zu den Romanen, die Weltstatus erlangt haben. Ein Schinken, eine nicht-enden-wollende Geschichte, dramatisch, episch. Es geht um das Schicksal dreier, miteinander verbundener, russischer Familien um die Jahrhundertwende. Da ist zum einen Anna Karenina, der Stern am Sankt Petersburger Gesellschaftshimmel, von vielen verehrt und bewundert. Sie hat Mann und Kind und liebt einen anderen: Graf Alexej Wronskij, den auch ihre jüngere Schwägerin, Kitty Schtscherbatskaja, vergeblich anhimmelt. Diese wird jedoch von dem Freund des Mannes ihrer Schwester Dolly verehrt: Ljewin. Er ist Gutsbesitzer und beschwert sich über den Lebensstil der Moskauer High Society, dem sein Freund Oblonskij, Stiwa genannt, frönt. Dieser betrügt seine Ehefrau Dolly ständig, welches diese frustriert hinnimmt. Eines Tages besucht Anna ihren Bruder in Moskau in Begleitung der Gräfin Wronskaja, der Mutter Wronskijs. Am Bahnsteig begegnet sie bis dato zum ersten Mal dem schönen Grafen. Nach anschließendem Geplänkel beginnen sie eine Affäre. Um seinen Ruf nicht zu verlieren, will ihr Mann, der Politiker Alexej Karenin, die Liason verbieten, doch Anna ist schwanger und verlässt ihn und ihren Sohn Sergej.

„Tolstojs Gestalten werden von schwerfälligen, dröhnenden und dampfenden Zügen von einem Ort zum anderen und vom Leben in den Tod befördert“, wird zitiert. Von Morphium und paranoider Eifersucht verrückt geworden begeht Anna Selbstmord. Man kann echt alles durch den lustigen Li-La-Laune-Kakao ziehen! Gleich zu Beginn, es eröffnet sich dem Zuschauer eine nur scheinbare Kunsteisbahn, Schneeflocken fallen im Hintergrund, heißt Stiwa das Publikum „welcome to Moscow on Ice“. Im Hintergrund ertönt, fast das gesamte Stück durchziehend, chillige Lounge-Musik. Ehm, ja.

Klar habe ich die Message, die Parabel zu Heute erkannt: Schampus und Austern saufende Snobs, in ihrer Dekadenz glücklich und wieder unglücklich, die sich durch Geld und Status von dem Prekariat absetzen, aber im Grunde doch die gleichen Wünsche und innersten Tiefen besitzen. Das Vater-Mutter-Kind-Scheidungs-und-wie-bringen-wirs-ihm-bei-Problem. Liebe in einer sonst kalten Welt, Karriere, Reichtum, Emanzipation! ... irgendwann fielen mir die zwei, fehlenden Besucher neben mir auf, die vor der Pause noch da waren. Alles strotzte nur so vor Klischees und Oberflächlichkeiten, immer wieder wurde betont, was für eine Energieverschwindung doch diese Kunsteisbahn sei, und zum Schluss gab es noch ein großes Finale mit der Schneemaschine! Eine „Verliebt in Moskau“-Telenovela, nur nicht „tele“ und mit Hintergrund und Botschaft und ... und?!

Mir hat nicht einmal die Leistung der Schauspieler gefallen, „die ja nicht immer was für die Inszenierung können“. Der Wahnsinnsausbruch der Karenina war auch für mich bewegend, doch war ich viel zu ärgerlich, da ich zu jener Zeit noch kaum etwas von ihrem Gezische und Gesabbere rein akustisch verstand. Echt, wenn ihr schon Mikroports an der Wange kleben habt, dann benutzt die auch! Auch die Sache mit dem kleinen Sohn, der mechanisch wie eine Puppe wie eine Puppe durch die Gegend kommandiert wurde, aber außer optischer Authentizität („Hallo, ich bin ein echter, kleiner Junge, der unter seinen streitenden Eltern leidet!“) nichts zu bieten hatte.

Ich habe „Anna Karenina“ bisher noch nicht gelesen, aber ich denke, dass es nicht nötig dazu ist, um diese Inszenierung als Mogelpackung zu deklarieren.

Kommentar

Um einen Kommentar zu hinterlassen musst Du eingeloggt sein


MEHR

Düsseldorfer Schauspielhaus

Das Düsseldorfer Schauspielhaus wurde 1904 als Pri (...)

Rezension von: Antonia Alessia Virginia Beeskow