Flamencos en route (CH)
28.03.2010 20:00h
Vor 25 Jahren gründete Brigitta Luisa Merki die Tanzkompanie Flamencos en route. Ihrer Flamenco-Meisterin Susana Robledo und deren Mann, dem Komponisten Antonio Robledo, widmet sie die Jubiläumsproduktion "florescencia - Blütezeit - eine Hommage an Susana und Antonio Robledo". In sieben Szenen führt die Choreografin durch einen nächtlichen Garten und verbindet verschiedene Motive der Flamenco-Tanzkunst. In "El jardín oscuro" setzt beschwörender Gesang den Tanz in Gang, es entbrennt ein gespannter Dialog zwischen Männertanz und Musik. Das "Dúo de amor" zeigt in einer nächsten Szene nicht nur eine Annäherung zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen zwei Tanzstilen: Zeitgenössischer Tanz vermischt sich formvollendet mit Flamenco.
Quelle: http://www.tanzhaus-nrw.de/
Rezension
Geschrieben von:
Klara Schneider
Für seine Gedanken kann man ja nichts und manchmal musste ich es einfach denken: „Jetzt lächelt doch auch mal, die Welt ist doch schön!" Aber um eine heile Welt mit lauter glücklichen Menschen geht es im Flamenco nicht, so viel habe ich nach diesem Abend im Tanzhaus verstanden. Tatsächlich haben mich die traurigen Gesänge, die an das Wehklagen arabischer Frauen erinnerten, das man aus dem Fernsehen kennt, sehr bewegt und mit den Tänzern auf der Bühne mitfühlen lassen. Teilweise kam mir das Ganze auch mehr wie ein Schauspiel, als „nur" ein Tanz vor.
Sehr beeindruckt war ich davon, wie die Kleider der Frauen mit in die Choreografie eingebaut waren und so mal als Instrument, mal als eine Art zusätzlicher Körperteil genutzt wurden. Was mir auch gut gefallen hat, war die ironische Art, mit der die Tänzer mit dem Flamenco umgegangen sind. Da stellt sich z.B. eine der Frauen einfach auf die Schuhe ihres Tanzpartners, um dadurch sein „Geklapper" zu verhindern. Einziger Wermutstropfen war meiner Meinung nach, dass während eines Stückes die Solotänzerin unbedingt oben ohne tanzen musste. In Theaterstücken gehört es ja auch mittlerweile zum guten Ton, dass man zumindest einen Darsteller in Unterwäsche sehen muss und anscheinend macht da der moderne Tanz keine Ausnahme (und geht sogar noch weiter). Was ist da denn künstlerisch wertvoll, wenn alle nur auf ihre Brüste schauen?
Davon einmal abgesehen, war florescencia aber definitiv sehenswert und ich kann jedem nur empfehlen, bis zum 05.04. eine der anderen Veranstaltungen des Flamenco-Festivals im Tanzhaus zu besuchen.
PS: Bei des nicht mehr enden wollenden Schlussapplauses zeigten meine Gedanken während der Vorstellung dann endlich ihre Wirkung und die Tänzer ihr schönstes Lächeln.
Kommentar
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