Alex Amsterdam
20.02.2010 20:00h
Indie Pop aus Düsseldorf. Support: Nadine Beneke
Indie | Pop nennen die beiden auf Flyern und Plakaten ihre Musik, ohne Bindestrich geschrieben, als gleichberechtigte Brüder. Und tatsächlich kommen hier diese beiden Welten zusammen, ästhetisch wie logistisch. „Indie“ sind a², wie sie sich auch nennen, , weil sie bislang mit dem Fleiß kanadischer Holzfäller absolut alles selber machten. Platten, Booking, PR… weswegen sie seit der Bandgründung 2006 ein Album, eine EP sowie über 300 Konzerte vorweisen können, u.a. als Support für Kettcar, Keith Caputo, Gisbert zu Knyphausen Kilians oder auch Auletta. „Pop“ sind a², weil sie es schaffen, sich ohne fremdes Label Airplay bei Eins Live, NDR 2 oder Radio Fritz zu erkämpfen, sich die Bühne ohne Berührungsängste mit Heinz Rudolf Kunze oder Fool’s Garden zu teilen und die Presse sie zunehmend begeisterter von a² ist, wie z.B. das Musikmagazin Visions, die “The die is cast” zum Demo des Monats Oktober 2009 kürten! „Indie“ sind a², weil ihre Songs durch bittere Melancholie, herzhaften Anschlag und äußerst knusprigen Gesang Kante und Tiefe erhalten. „Pop“ sind a², weil ihre Melodien das Herz öffnen und sich auch außerhalb der Clubs bestens dafür eignen, das Leben von Menschen auf Autobahnen und Auslandsflügen zu begleiten. Auf der brandneuen EP „The Die Is Cast“ findet diese songwriterische Klasse endlich ihren angemessenen Rahmen. In voller Bandbesetzung mit Kay Wrede am Bass, Stephan Großer am Schlagzeug sowie Reinhard Horn an den Streichinstrumenten eingespielt, erstrahlen die Songs im Gegensatz zum schroffen Debütalbum „Stillness Of A Moment“ erstmals in transparenter Klarheit. Transparent, aber nicht glatt, was auch dem Meistermischer Manni Struck zu verdanken ist, der genau wie a² zwischen den Stühlen von Garage und Glanz steht: Er hat einerseits schon Die Toten Hosen und andererseits Mike Oldfield aufgenommen.
Man höre, wie die Pianomelodie in „Saviour“ Coldplay oder Travis Konkurrenz macht oder „Emma“ die zu Recht oft zitierte Landstraße für die so schmerzliche wie befreiende Fahrt öffnet, die man antritt, wenn man soeben eine Beziehung hinter sich gelassen hat. Man höre, wie diese Band einerseits in Trauer tröstet und andererseits mit „Face The Sun Again“ und „Liar, Liar“ dynamisch-rotzigen Rock einspielt, der auch in der Garage oder im Vorprogramm von Oasis, den Strokes oder Sugarplum Fairy funktionieren würde.
Eine persönliche Anmerkung sei mir als Autor dieser Lobrede erlaubt. Bei meinen eigenen „Hartmut und ich“-Shows als Schriftsteller und Literatur-Entertainer teile ich mir die Bühne sehr gerne mit Bands, die derart würdevoll und berührend mit eingängigen Melodien und Gitarren umgehen, dass sie eine Brücke zwischen „Indie“ und „Pop“ schlagen, so wie meine Romane erfolgreich eine Brücke zwischen „E“ und „U“ geschlagen haben, indem sie gleichzeitig Literaturpreise bekommen, bei „Men’s Health“ mit Tommy Jaud zur besten Männercomedy gewählt werden und bereits in Schulen vorkommen. Ach ja, da spielen a² hin und wieder auch, in der Aula, vor 300 Minderjährigen, mit Vorrede des Rektors. Warum? Sie waren in der Gegend, sie haben einfach gefragt. Ich liebe sie. Versuchen Sie’s auch mal!
(Oliver Uschmann, April 2009) Nadine Beneke ist Sängerin und Songwriterin. Ihr Stil variiert zwischen Soul, Blues und einer Portion Rock.
Was vor 10 Jahren in der Schulaula begann ist inzwischen Programm geworden. Nicht zuletzt durch das Jugendprojekt „Düsseldorf ist Artig“ hat sie in den letzten Jahren die lokalen Bühnen kennen und lieben gelernt.
Sowohl als Solokünstlerin als auch mit verschiedenen Musikern verzaubert die 26-jährige das Publikum mit ihren Liedern, die direkt aus dem Herzen kommen.
Quelle: http://www.zakk.de
Rezension
Geschrieben von:
Adrian Pauly
Abgehetzt schaffe ich es noch gerade zum Konzert. Bereits an der Kasse höre ich eine verdammt geile Soulstimme. Angekommen, denke ich. Endlich. Nadine Beneke macht an diesem Abend den Anfang und ich komme in den Genuss, noch fünf Songs von ihr plus Zugabe hören zu können. Ein Klavier und ihre Stimme – mehr scheint die ehemalige ARTig-Teilnehmerin nicht zu benötigen. Wer immer noch glaubt, Soul hat etwas mit Hautfarbe zu tun, möge sich am 22.4. im People vom Gegenteil überzeugen.
Nach kurzer Pause schallt es aus den Boxen: „Wir sind Alex Amsterdam aus DÜSSELDORF!“ Jubel! Nichts Neues. Jedem der Anwesenden ist schon vor diesem Ausruf klar, wer soeben die Bühne im Saal des Zakks betreten hat. Heimspiel, denke ich, und dass es voller sein dürfte.
Das Duo, bestehend aus Alex Rosin (Gesang/Gitarre) und Simon Horn (Keyboard/Gesang), hat den Weg nach Hause gefunden. Schaut man sich die Tourdaten der Düsseldorfer Musiker an, wird klar, diese Tatsache ist nicht selbstverständlich. Bundesweite Konzerte und eine fünftägige Tour Ende Januar durch Italien sprechen für sich.
Man merkt den beiden Hauptprotagonisten schnell an, dass sie sich hier wohl fühlen. Und ebenso schnell haben sie das Publikum, welches im Laufe des Abends mehrmals als sehr „höflich“ betitelt wird, auf ihre Seite gebracht. Dabei spielen sie teils dynamisch-rotzigen Rock („Liar Liar“) als auch popige Balladen („Summer rain“). Doch eines schaffen Alex Amsterdam stets: Melodien zu kreieren, die sich festsetzen und nur schwer loszuwerden sind. Hin und wieder sind unkontrolierte Tanzeinlagen das Resultat. Manchmal vermag man aber auch einfach nur zu lauschen und zu träumen.
Das hier lediglich zwei Musiker live auf der Bühne stehen, vergesse ich fast völlig. Auch wenn die restlichen Bandmitglieder von Platte kommen (Zitat Simon: „Ich spiele jetzt einen Web 2.0 Shaker“), klingt es keinesfalls billig. Im Gegenteil. Besonders die Dynamik und Bühnenpräsenz der beiden begeistern viele, nicht nur an diesem Abend. Der Begriff „Rampensau“ wäre bei entsprechenden Showeinlagen durchaus angebracht. Vielleicht sind genau diese Zutaten das Geheimnis von Alex Amsterdam und der Grund dafür, dass beide schon u.a. mit Kettcar, Keith Caputo oder den Killians gespielt haben.
Zwei Zugaben werden ohne große Rockstarallüren und ohne hinter der Bühne zu verschwinden gegeben. Es muss schnell gehen, die „Yard Vibes Party“ beginnt schon bald. Außerdem waren die Rufe nach einer Zugabe beim besten Willen nicht zu überhören. Warum also erst nach hinten verschwinden? Irgendwie sympathisch, denke ich, und dass es hätte voller sein dürfen.
Kommentar
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