Claude Monet
11.10.2009 - 28.02.2010
2001 zeigte die Hypo-Kunsthalle München "Claude Monet und die Moderne", 2005 zeigte die Kunsthalle Bremen "Monet und Camille" und 2006 die Staatsgalerie Stuttgart Monets "Felder im Frühling". Aber das Gesamtwerk Claude Monets, des bedeutendsten unter den Impressionisten, ist in Deutschland wohl noch nie gezeigt worden.
Das Von der Heydt-Museum Wuppertal stellt sich nun der Aufgabe, das Gesamtwerk Monets in einer außergewöhnlich großen Überblicksausstellung zu zeigen. Maßgeblich unterstützt wird das Museum dabei von der Dr. Werner Jackstädt-Stiftung, Wuppertal, dem Musée Marmottan-Monet, Paris, dem Wildenstein Institut, Paris, und von renommierten Experten zum Thema Impressionismus und Monet.
Mit der stolzen Zahl von rund 100 Bildern will die Ausstellung ihren Besuchern die Möglichkeit bieten, über bekannte Teilaspekte hinaus das Oeuvre dieses großen Meisters der Moderne auszuloten und durch die Wahrnehmung der verschiedensten Verbindungen und geheimen Beziehungen zwischen den Bildern neu zu erfahren.
Quelle, Textauschnitt und Bildnachweis: http://www.von-der-heydt-museum.de/
Bild: Claude Monet, Brücke über den Seerosenteich, Le Bassin de Nymphéas 1899, Öl auf Leinwand, 92,7 x 72,7 cm, ©The Metropolitan Museum of Art
Rezension
Geschrieben von:
Andreas Kleindopf
Die Welt befristet in Wuppertal ...
Wer diesen Winter einen Abstecher nach Rom, Paris oder Barcelona geplant und nicht mindestens im selben Atemzug an Wuppertal gedacht hat, dem ist auch nicht weiter zu helfen. Wuppertal? Die starke Impression von bestem bergischen Schneefall und chaotischem, schwebebahnlosen Dasein einer westdeutschen Großstadt, die sich durch kommunalpolitische Maßnahmen nicht erst seit der Existenz bitterleerer Kassen auf einen kulturellen Verfall einzustimmen versteht, nein, das interessiert die offene Welt nicht (Ausnahme Theater: »Oh, da wird was geschlossen ...«, aus Angst es könnte eine Lawine an Schließungen über ihre eigenen Städte kommen, sobald der Wuppertaler Schuldenberg tatsächlich nur einen Hauch langsamer steigen könnte) und das hat sie auch noch nie interessiert. Es ist vielleicht neben Pina Bausch erst der achtzig plus X Jahre verstorbene französische Maler Claude Monet, der es tatsächlich geschafft hat, den Wuppertalern zu helfen, die Hände nach dem Kopf der Welt auszustrecken, um ihn dann mit magischer Sinneskraft wie von selbst verdrehen zu können. Es sind die Werke jenes Künstlers, welche vom 11.10.2009 bis 28.02.2010 im Wuppertaler Von der Heydt-Museum zu bestaunen sind, bevor sie dann wieder getrennt der Welt zurückgegeben werden.
... und sie staunt ...
Die Ausstellung ist eine bewundernswerte Vereinigung von rund hundert Bildern, welche nicht nur seine impressionistische Ader, sondern auch seine weiteren Schaffensperioden verdeutlicht und Früchte des Einflusses – etwa von Eugène Boudin – schmackhaft präsentiert. Das ist – deutsch – einmalig und erfreut das Künstlerherz! Da sieht man etwa Werke des Schülers und Karikaturisten Monet (genannt sei etwa die witzige Darstellung »Bordeauxwein« – eine Überkopf-Weinflaschen-Kombination), die wie in kleinen Schaufenstern angeordnet präsentiert werden. Durch die hellstrahlenden Arkaden gelangt der Besucher in Räume, die realistische Frühwerke und Gemälde seiner akademischen Ausbildung beinhalten. Gleichzeitig demonstriert die Anordnung den Übergang zum Impressionismus, der seinen ungezwungenen, feurigen Malstil deutlich wiedergibt. Eine Schau ohne die berüchtigten Bildserien wäre nicht denkbar. So findet sich der Betrachter, sicherlich als Höhepunkt der Ausstellung, in einem Meer aus Seerosen, Heuschober und Eisschollen wieder. Der Einfluss des mannigfaltigen Lichts, Wetters und später auch Sehvermögens auf die Farbwahl gibt Aufschluss über seine gesellschaftlichen und künstlerischen Veränderungen. Das Vorwegnehmen der abstrakten Malerei konkretisiert sich etwa in seinen Seerosenbildern. Vor allem aber ist es das Genie Claude Monet, das hier in einer Vollkommenheit präsentiert wird. Hat das Von der Heydt-Museum also alles richtig gemacht?
Mit Wuppertal als eine der Gründerzeit-Hochburgen ist eine perfekte Kulisse geboten. Die Industrialisierung inmitten einer grünen Stadt hätte einst Monet jene Atmosphäre geboten, die er ein Leben lang einzufangen verstand. Seine Werke gerade nun im historischen Von der Heydt-Museum zu wissen, formt glücklich. Tausende Holländer, Innerdeutsche und selbst Franzosen wissen dies täglich zu bestaunen. Das spiegelt sich natürlich in einer scheinbar endlosen Warteschlange wider, die in den letzten Tagen sinnbildlich bis auf die Gleise des Bahnhofes gereicht hat und in den Zügen und anderen Städten hätte fortgesetzt werden können. Wer nun befürchtet, im Museum Menschenmassen statt Monet zu begegnen, dem kann folgende frohe Botschaft mitgeteilt werden: Es werden nur so viele Besucher eingelassen, wie gerade Menschen das Gebäude verlassen haben. Dies kann jedoch Wartezeiten von mehr als drei Stunden mit sich bringen, verspricht jedoch eine völlig freie Sicht auf die Gemälde. Das habe ich im Ausland, wie etwa in Basel und Wien, anders erlebt und ich kann eindeutig sagen, dass nach Wuppertaler Vorgehensweise, auch nach Gesprächen mit den geduldigen Franzosen und lautlachenden Holländern, der reine Kulturgenuss intensiver erlebt wird. Wer kann schon behaupten, drei Stunden in der schmucklosen Elberfelder Innenstadt verlebt zu haben und dadurch selbst zum Kunstwerk zu werden? Wenn dann die vorbei laufenden Wuppertaler Schüler und Rentner ausrufen: »Ich war schon im Oktober da und musste nicht so lange warten«, dann nickt man laut und gerne zurück. Dem hätte man durch eine Verlängerung der Ausstellung entgegen wirken können. Doch das war nicht möglich: Die Bilder müssen wieder zurück, sofern sie nicht dem Von der Heydt-Museum selber gehören.
... und geht wieder!
Als ich das Museum verlassen hatte, fragte man mich, was mir denn nicht gefallen hätte. Ich lächelte: »Mir fehlte Camille
*!« – und gab mich dem bergischen Schneetreiben hin.
* Claude Monets früh verstorbene Ehefrau.
Kommentar
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Geschrieben von:
Antonia Alessia Virginia Beeskow
Claude Monet
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war es üblich, so naturgetreu und realistisch zu malen wie möglich. Dann, während der 1870er Jahre, stellte eine Gruppe junger Künstler, darunter Paul Cézanne, Edgar Degas, Auguste Renoir, in Paris aus. Ihre Malerei war ganz anders: Die bisher harten Konturen wurden weicher, die Farben, wie Horizont und Himmel, gingen ineinander über, eher skizzenhaft schienen die Werke, Momentaufnahmen der Zeit. Ein Bild wurde stellvertretend Namensgeber dieser neuen Künstlergeneration: Le Havre – Impression soleil levant von Claude Monet, dem wohl bedeutendsten der sogenannten Impressionisten.
Das Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum gibt noch bis Ende Februar die Möglichkeit, sich einen „Eindruck“ über Lebens- und Schaffenswerk des Künstlers zu machen und warnt davor, wegen des Andrangs an den Wochenenden die Ausstellung lieber unter der Woche zu besuchen. Das ist ein guter Tipp, denn bis auf ein paar Rentner-Freizeitgesellschaften waren eher wenige Besucher dort.
Was mir gut gefiel, war der chronologische Verlauf der Ausstellung. Es begann mit den witzigen Karikaturen von Männern mit überdimensional großen Nasen und schloss mit Monets Nymphéas und den letzten, sehr abstrakt erscheinenden Gemälden seines Anwesens in Giverny. Zusätzlich wurden auch einige Werke seiner Lehrmeister ausgestellt, um deren Einflüsse auf Monet aufzuweisen.
Im Laufe der Jahre entwickelte er sich vom mit düsteren Farben Malenden zum farbenfrohen Stimmungserzeuger. Er malte oft mehrere Male ein und dasselbe Motiv, zu verschiedenen Tageszeit, beispielsweise um das kühle Blau des Morgens oder das wärmende Rot eines Sonnenuntergangs einzufangen. Dies verlangt eine besondere Kenntnis der Farbenlehre sowie ein gutes Zeitmanagement, schließlich kann man nicht den ganzen Tag eine Morgenstimmung abmalen, sondern nur in wenigen Stunden.
Besonders eindrucksvoll wirkten die letzten Bilder Monets auf mich. Im Alter hatte er immer schwerwiegendere Probleme mit seinem Augenleiden bekommen, was man in seiner Serie der japanischen Brücke erkennen kann. Es entsteht ein Wirrwarr an Linien, Fasern, aber wo ist die Brücke?
Hier bot sich dann doch eines der wenigen Schwächen der Ausstellung: Es war nicht genügend Raum da, um die ganze Wirkung eines solchen Bildes zu erfahren. Von Nahem erschienen die Bilder schon expressionistisch, aber von weiter weg sah man die Brücke, ja, eindeutig und sie schien nicht wie irgendein Gepinsel auf einer Leinwand - wenn man weit genug ins Treppenhaus beispielsweise ging. Die Brücke füllte den Raum, nahm Platz ein, und das obwohl es nur chromosomenartige Striche waren!
Ebenfalls die Wahl der Bilderrahmen fand ich unpassend. Bestimmt kann das Museum nichts dafür, die meisten Werke sind ja auch nur Leihgaben, aber generell, ich will nicht wissen, wieviel ein Monet kostet, aber das Zusammenspiel zwischen Impressionismus und Prunkrahmen ist ... Unfug! Mir schien, als sondere sich das Bild vom Sonnenaufgang am Fluss von diesem reich verzierten und mit Gold überzogenem Rahmen ab. Das ist wie Schnee, einfach zu viel!
Aber trotzdem lohnt es sich, nur um ein einziges Mal eine Seerose oder Nymphéa, wie sie auf Französisch heißt, von Monet zu betrachten und sozusagen auf den Teich in Giverny hinauszublicken. Den Garten und das Haus kann man heute noch besuchen ...
Auf nach Giverny!
Kommentar
Geschrieben von:
Katja Panyutina
20.02.2010 22:51:49
Das mit dem "unter der Woche ist wenig los", kann man inzwischen auch vergessen. So kurz vor dem Ende steht man fast immer in einer ziemlich langen Schlange. So war es zumindest bei uns. Wenn man zu mehreren hingeht und sich mit Anstehen abwechselt, ist es aber auch nicht so dramatisch. Ansonsten eine tolle Ausstellung - nur die Prunkrahmen und der fehlende Raum für die Bildwirkung sind mir auch aufgefallen.
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